Karl August Ohrt, "Tanzende"

 

Montag, 6. November 2017, 18 Uhr
Eröffnung der Ausstellung
Karl August Ohrt
Skulpturen und Zeichnungen
Zur Eröffnung spricht Thomas Sello
Geöffnet bis 17. Dezember 2017, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr
Eintritt zur Eröffnung frei, danach 5,- / erm. 3,-

Mehr als zwei Jahrzehnte hat es in Hamburg keine Ausstellung von Karl August Ohrt gegeben, obwohl in den drei Jahrzehnten nach 1950 über 40 Skulpturen des Bildhauers im öffentlichen Raum der Stadt aufgestellt wurden. 1992, zu seinem 90sten Geburtstag, war eine große Retrospektive im Kunsthaus Hamburg zu sehen. Er gehört zur Geschichte der Moderne in dieser Stadt, und genau wie diese Geschichte durchlief er in seinem Leben große Gegensätze. Sein Werk wurde von den unterschiedlichsten historischen Kräften und Situationen behindert, enttäuscht, gefördert, anerkannt und wieder verworfen.
Es ist nun an der Zeit, seine Kunst unabhängig von den wechselnden Stimmungen der Epochen anzuschauen und ihre Bedeutung zu erkennen; sie kann auf den lokalen Rahmen nicht eingegrenzt werden. Schon während der 50er und 60er Jahre brauchte er für sich selbst den internationalen Kontext und suchte eine intensive Auseinandersetzung mit der Kunst von Alberto Giacometti oder Henri Moore; ein direkter Austausch war ihm damals natürlich nicht möglich.
In den 70er und 80er Jahren weitete er die „Sprache“ seiner Bildhauerei aus und experimentierte mit den Stoffen und Formen für die Gestaltung im öffentlichen Raum. Wieder korrespondiert die Entwicklung seines Werks mit Tendenzen, die er seinerzeit nicht kennen konnte, wie etwa die Backsteinskulpturen von Per Kirkeby; auch diese ungewollte Parallele zeigt, dass Karl August Ohrt immer eine internationale Dimension hatte. Doch es geht gleichermaßen um die älteren Werke, nicht zuletzt weil die Sprache der klassischen Moderne mittlerweile insgesamt etwas anders bewertet wird. Künstler, die – wie etwa Hans Josephsohn – ihre Skulptur ganz und gar im Rahmen traditioneller Werkstoffe entwickelt haben, vom Gips zur Bronze, finden ohne jede Einschränkung Anerkennung.
Vor diesem Hintergrund will die aktuelle Ausstellung an die Kunst von Karl August Ohrt erinnern, mit Skulpturen, Graphiken, Zeichnungen und Aquarellen. Sein Schwerpunkt lag unbestritten in der Bildhauerei, aber er hat immer gezeichnet und skizziert, mit den unterschiedlichen Materialien und Zielen. Nicht selten ging es darum, seine Plastik weiter zu entwickeln, aber der weitaus größte Teil entstand unabhängig von diesem Nutzen und ist vollkommen eigenständig. Bleibt noch anzumerken, dass einige Werke des Künstlers, die im öffentlichen Raum standen, in den letzten Jahren abgebaut wurden, ohne dass die Öffentlichkeit den Vorgang wahrgenommen oder diskutiert hätte. Die “Erinnerung” kommt infolgedessen mit einer gewissen Dringlichkeit.