Offener Brief
An den Präses der
Behörde für Bau und Verkehr
Herrn Senator Mario Mettbach
Stadthausbrücke 8
20355 Hamburg
Hamburg, 6. Mai 2003
Neugestaltung Spielbudenplatz - Auftrag verfehlt.
Sehr geehrter Herr Senator,
alle künstlerischen, ja selbst ästhetischen Gesichtspunkte einmal
beiseite gelassen, eines sind die Installationen des Jeff Koons bestimmt nicht:
eine Gestaltung des Spielbudenplatzes.
Die Maßlosigkeit seiner ins Pseudomonumentale hochgespusteten Banalitäten
erdrücken den Platz, zerschlagen jeden Maßstab. Die Gebäude
wie der freie Raum verlieren ihre Proportionalität.
"Ein kleines Weltwunder" allenfalls in der Rücksichtslosigkeit
gegen die Anwohner, Menschen, die unter einer solchen Zumutung leben müssen.
Vergleiche der bloß vergrößerten Baukräne mit einer
Pionierleistung der Ingenieurarchitektur, dem Eiffelturm, müssten sich
von selbst verbieten. Zudem: er steht nicht in kleinteilig bebautem Wohngebiet,
sondern auf angemessen freiem Feld.
Als Beispiel für Stadtentwicklung, "Wachsende Stadt", ist dieser
Entwurf das krasse Gegenteil dessen, was zu erwarten, zu erhoffen ist. Eine
dauerhafte Verunstaltung der schönen, hamburgtypischen, gegen andere
Städte positiv sich abhebenden Silhouette.
Man sieht, ob juristisch geboten oder nicht: städtebauliche Maßnahmen
dieser räumlichen wie finanziellen Größenordnung bedürfen
eines ordentlichen Wettbewerbes, einer fachkundigen Jury und können nicht
freihändig "nach Gutsherrenart" vergeben werden.
Selbst unter PR-Gesichtspunkten stellt sich die Frage, für welche hanseatische
Tradition, Eigenheit, welchen Reiz, geradzu welche Tugend unserer Stadt sollen
Koons Stellagen eigentlich werben?
Eine Stadtregierung, die touristische Bedürfnisse denen ihrer Bewohner vorzieht, verkehrt die gebotenen Verhältnisse, missachtet Bürgerrechte und demokratische Gepflogenheiten.
Wir appellieren deshalb an Sie wie an den gesamten Senat, noch einmal reiflich zu überlegen, ob man mit runden 5 Millionen nicht etwas in die Welt setzen könnte, das den Interessen der Bürger wie dem Image der Stadt gerechter würde, als das Vorgeschlagene.
gez.
Prof. Armin Sandig, Präsident
Horst v. Bassewitz, Vorsitzender der Sektion Baukunst
für das Präsidium der Freien Akademie der Künste in Hamburg