Gesprächskonzert
IST KOMPONIEREN LEHRBAR ?

MANFRED TROJAHN
im Gespräch mit seiner ehemaligen Schülerin
ELENA MENDOZA-LOPÉZ

Manfred Trojahn : Palinsesto (1996)
Elena Mendoza-Lopéz: Ciclo (1999)
Es spielt das Scardanelli Quartett

Montag, 7. Oktober 2002, 19.30 Uhr
Eintritt: € 7,50 / erm.€ 5,00
gefördert durch die Kulturbehörde Hamburg

Die Frage, ob, und wenn in welchem Maße, künstlerische Hervorbringung erlernbar und -was etwas anderes ist- ob sie lehrbar ist, stellt sich in allen schöpferischen Disziplinen.
Ob Malerei, Bildhauerei, Dichtung oder Musik, stets gilt: Das richtige Handwerkszeug, die jeweils verwendeten Techniken sind eine Voraussetzung überzeugender Ergebnisse. Aber eben nur eine. Welche Bedeutung im Vergleich zu ihnen Inspiration, Geschick oder Kreativität einnehmen und inwieweit auch diese vermittelbar sind, soll im Rahmen einer Reihe von Gesprächskonzerten zwischen Lehrer und Schüler, veranschaulicht durch Kompositionen beider, ergründet werden.
Den Auftakt der Reihe bildete vor zwei Jahren ein Gespräch zwischen Helmut Lachenmann und seinem Schüler Jörg Birkenkötter, im vergangenen Jahr folgte Wolfgang Rihm im Gespräch mit seinem ehemaligen Schüler Jörg Widmann.

Vor dem Hintergrund der Fragestellung sprechen am 7. Oktober Manfred Trojahn und seine ehemalige Schülerin, die Spanierin Elena Mendoza-Lopéz, erläutert durch Kompositionen von "Lehrer" und "Schülerin", aufgeführt vom Hamburger Scardanelli-Quartett.

Manfred Trojahn wurde am 22.10.1949 in Cremlingen bei Braunschweig geboren. Er ist freiberuflicher Komponist mit Wohnsitz in Paris, ab 1984 Paris und Berlin.
1956 bis 1966 Schulbesuch und erster Musikunterricht. Ab 1964 besuchte er die Vorbereitungsklasse für die Niedersächsische Musikschule Braunschweig, danach erfolgte ein Studium der Orchestermusik und Komposition in Braunschweig und Hamburg. 1966 bis 1970 Autodidaktisches Komponieren und erste Aufführungen. Beginn der Lehrtätigkeit an der Jugendmusikschule Salzgitter im Fach Flöte. 1975 erhielt Manfred Trojahn das Bachpreisstipendium, Hamburg. 1991 wurde er als Professor für Komposition an die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf berufen.

Aufführungen von 4 Sinfonien, 4 Streichquartetten, diverser Kammermusik. Liederzyklen, Chormusik.
Opern: "Enrico" (1991), "Was ihr wollt" (1998), "une campagne noire de soleil" (1993), Sept scenes de ballet pour ensemble (1982-1992).
Veröffentlichungen beim Bärenreiter Verlag und den Musikverlagen Hans Sikorski.
Als Dirigent arbeitet Trojahn mit Ensembles (Ensemble Modern, Musikfabrik, Ensemble Philharmonie Hamburg) und Orchestern (Deutsches Symphonie Orchester Berlin, Staatskapelle Berlin, Radio Philharmonie Hannover, Münchner Philharmoniker, Düsseldorfer Symphoniker, Gürzenich Orchester) zusammen.
Seit 1993 ist Manfred Trojahn Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg.

Elena Mendoza-Lopéz,
1973 in Sevilla, Spanien, geboren. Germanistikstudium in ihrer Heimatstadt und später Klavier- und Kompositionstudium in Zaragoza bei Teresa Catalán und in Augsburg bei John Van Buren, danach in Düsseldorf bei Manfred Trojahn und in Berlin bei Hanspeter Kyburz.

Kammer-, Orchester- und Bühnenmusik. Besonderes Interesse für Musiktheater, für Sprache und ferner für die verschiedenen Möglichkeiten der Zeitwahrnehmung und für die Beziehungen von Musik und Raum. Sie hat mit der Kölner Oper, der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Nürnberg, dem Philharmonischen Orchester Freiburg, dem Vogler-Quartett, dem Festival de Música Contemporánea de Camagüey (Cuba), dem Elektronikstudio des C.R.F.M.W. in Lüttich (Belgien), dem Festival Ars Musica in Brüssel, dem Dresdner Zentrum für Zeitgenössische Musik u.a. zusammengearbeitet.

Das Scardanelli Quartett wurde im August 1996 in Hamburg gegründet. Das Ensemble ist nach dem Namen benannt, den Friedrich Hölderlin seit ca. 1841 für sich gebraucht und mit dem er seine späten Dichtungen wie die ‘Jahreszeitengedichte’ signiert hat.
Das Scardanelli Quartett, das sind vier junge Leute, die sich weit hinter der Grenze ihrer Heimatländer getroffen haben. Sie kommen aus Russland und der Ukraine. Alle vier stammen aus Musikerfamilien, sind seit frühester Kindheit mit ihren Instrumenten vertraut und haben vor der Übersiedlung nach Deutschland bereits die umfassende Ausbildung an den
musikalischen Eliteinstituten ihrer Heimatländer durchlaufen. Jeder einzelne von ihnen verfügt nicht nur über langjährige solistische, sondern auch über kammermusikalische Bühnen- und Konzerterfahrung auf internationalen Podien.
Die Mitglieder des Scardanelli Quartetts erfuhren ihre kammermusikalische Ausbildung u.a. bei dem Tanejew Quartett, dem Guarneri Quartett und dem Quartette Sine Nomine.
Das Quartett besuchte verschiedene Meisterkurse, u.a. beim Orpheus Quartett (Düsseldorf), bei Norbert Brainin (Amadeus Quartett), Sigmund Nissel (Amadeus Quartett, London) und Franz Beyer (München).
Die vier Streicher konzertieren regelmäßig in Deutschland, das Quartett gastierte mehrfach in Frankreich und unternahm ausgedehnte Konzertreisen durch Südeuropa (zuletzt Spanien-Tournee im Januar 2002).
Als Kammerensemble, das sich aus Absolventen verschiedener Musikhochschulen zusammengesetzt hat, war es für die Arbeit des Scardanelli Quartetts von Anfang zwingende Voraussetzung, diszipliniert selbständig zu arbeiten, eigene künstlerische Ideen zu entwickeln und auch außerhalb des Angebotes einer einzelnen Hochschule nach Anregungen zu suchen. Im Zuge eines solchen Arbeitens hat das Quartett sehr bald damit begonnen, sich nicht allein mit der
herkömmlichen Quartettliteratur, sondern zusätzlich mit zeitgenössischer Musik zu beschäftigen. Das Quartett ist regelmäßiger Gast bei verschiedenen Konzertreihen und Festivals für zeitgenössische Musik.
Das Scardanelli Quartett konnte bereits zahlreiche Uraufführungen - u. a. auch mit Werken, die für das Ensemble geschrieben worden sind - zum Bestandteil seiner Konzertprogramme machen.
Von der Arbeit des Quartetts zeugen mehrere Rundfunkeinspielungen (zuletzt Mai 2000, August 2000 und Mai 2001, Radio 3, NDR-Hamburg).

Bettina Hellemann Munch, geboren in Århus/Dänemark, studierte Gesang am Vestjysk Musikkonservatorium in Esbjerg und bei Renate Behle an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie hat Meisterkurse bei Anna Reynolds, Ingrid Bjornor, Renate Behle und Thomas Hemsley absolviert. Neben Kirchenkonzerten und Liederabenden in Dänemark und Deutschland, mit ihren Klavierpartnern Alan Speer und Nadia Belneeva, hat Bettina Hellemann Munch in Opernproduktionen mitgewirkt: Telephone (Lucy), Pagliacci (Nedda) und von Poulene La Voix Humaine.

CICLO
Su voz declara:
Nadie baja dos veces a las aguas
del mismo río. Se detiene. Siente
con el asombro de un horror sagrado
que él también es un río y una fuga.

(Aus Jorge Luis Borges: Heráclito)

Die Zeit des Lebens ist unumkehrbar. Die Zeit kann nicht zyklisch laufen.
Aus einer physikalischen Perspektive kann die Zeit nicht wiederkommen und
nicht rückwärts gehen. Aus einer musikalischen Perspektive kann sie es
doch.