Olga Martynova (re.), Insa Wilke © Foto: Jürgen Bauer

Montag, 30. November 2015, 19 Uhr
Auftaktveranstaltung der Reihe
Literatur als Kunst! Literatur als Kunst?
Olga Martynova und Insa Wilke disputieren mit
Wolfgang Hegewald
Eintritt: 10,- / erm. 8,-
Die Reihe wird unterstützt durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Zeit-Stiftung

Literatur als Kunst - was auf den ersten Blick als eine Tautologie erscheint, verliert bei genauerem Hinsehen seine Selbstverständlichkeit. Wer Gesprächen über Lektüren zuhört, wer Rezensionen liest, wird rasch bemerken, dass Literatur mit allem Möglichen beauftragt und beladen ist: stimmiger Plot und street credibillity, Welthaltigkeit und moralische, philosophische und politische Maßstäbe.
Die Zwänge der Aufmerksamkeitsökonomie und der "Terror der Aktualität" (Jean Amery) sind zwei mächtige Agenten, nicht nur im Literaturbetrieb, sondern auch in der Literatur selbst. Wo also ist die Kunst in der Literatur geblieben?
Dieser Frage geht ein auf zwei Abende angelegtes Gespräch nach. Mit Wolfgang Hegewald disputieren an diesem ersten Abend die deutsch-russische Autorin Olga Martynova und die Publizistin Insa Wilke.

Insa Wilke wurde in Bremerhaven geboren. Studium der Germanistik und Geschichte in Göttingen, Rom und Berlin, Promotion 2009. Sie hat u.a. für die Akademie der Künste und die Freie Universität in Berlin gearbeitet. 2010 erschien ihr Buch „Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch“, das für den Förderpreis „Opus Primum“ der VolkswagenStiftung nominiert wurde. Als Literaturkritikerin veröffentlicht Insa Wilke u.a. in DIE ZEIT,  Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel und sie arbeitet für den WDR, Deuschtlandfunk und Deutschlandradio Kultur. Seit 2005 konzipiert und moderiert sie Kulturveranstaltungen. 2010 übernahm Insa Wilke die Programmleitung im Literaturhaus Köln und gab diese Tätigkeit zugunsten des freiberuflichen Arbeitens 2012 wieder auf. Seit Sommer 2013 gehört sie zum Team von „Gutenbergs Welt“ (WDR3). Sie ist u.a. Mitglied der Jurys für den Adalbert-von-Chamisso-Preis und den Italo-Svevo-Preis. 2014 wurde Insa Wilke mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.

Olga Martynova, 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren, wuchs in Leningrad auf, studierte russische Sprache und Literatur; 1991 zog sie nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann Oleg Jurjew in Frankfurt/Main. Sie schreibt Gedichte (auf russisch) und Essays und Prosa (auf deutsch): Brief an die Zypressen (Gedichte, 2001, dt. von Olga Martynowa und Elke Erb), Wer schenkt was wem (Essays, 2003), Rom liegt irgendwo in Russland (mit Jelena Schwarz. Gedichte, 2006) und In der Zugluft Europas (Gedichte, 2009). Mit ihrem Roman-Debüt Sogar Papageien überleben uns (Droschl 2010) kam sie auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2010 und auf die Shortlist des Aspekte-Preises 2010. 2011 erhält sie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung und den Roswitha-von-Gandersheim-Preis. 2012 gewinnt Martynova den Ingeborg-Bachmann-Preis für ein Kapitel aus dem Roman Mörikes Schlüsselbein. Im Herbst 2014 erhält sie den Berliner Literaturpreis 2015 und nimmt als Preisträgerin die Berufung der Freien Universität Berlin auf die
Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an.