Wolfgang Hildesheimer mit Katze Anni

Freitag, 9. Dezember 9:30 Uhr bis 18:30 Uhr und
Sonnabend, 10. Dezember 2016, 9:00 Uhr bis 12:30 Uhr

Zur Aktualität Wolfgang Hildesheimers
Internationale wissenschaftliche Konferenz
aus Anlass des 100. Geburtstags des Schriftstellers und Künstlers. Mit Doerte Bischoff (Hamburg), Olga Blank (Aachen), Karlheinz Braun (Frankfurt/M.), Hanjo Kesting (Hamburg), Arnulf Knafl (Wien), Christoph Pflaumbaum (Bochum), Dierk Rodewald (Berlin), Hilde Strobl (München), Ulrike Vedder (Berlin) und Thomas Wild (Annandale-on-Hudson, NY).
Gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und durch das Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität Aachen. Konzept und Organisation: Stephan Braese, RWTH Aachen
Eintritt frei.

Zur Eröffnung der Konferenz liest Burghart Klaußner am 8. Dezember 2016, 19 Uhr aus Werken Wolfgang Hildesheimers.

Wolfgang Hildesheimer, der am 9. Dezember 1916 in Hamburg geboren wurde, zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der Jahrzehnte nach 1945. Der Autor von „Tynset“ und „Masante“, der „Lieblosen Legenden“ und einer spektakulären Mozart-Biographie brachte in die deutsche Nachkriegsliteratur eine Fülle von Erfahrungen ein, die seinen deutschen Kollegen fehlten. 1933 nach England und Palästina emigriert, lernte er frühzeitig die angelsächsische Moderne um Eliot, Joyce und Beckett kennen; bereits 1940/41 wurde er mit der Psychoanalyse vertraut; und seine Tätigkeit als Simultandolmetscher bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen konfrontierte ihn auf fortan nicht mehr hintergehbare Weise mit den von Deutschen begangenen Massenverbrechen. Die Erfahrung von Flucht und Vertreibung, der spezifischen Herausforderungen multiethnischer und multikultureller Gesellschaften, aber auch der Auswirkungen der ökologischen Krise auf die Kultur prägten sein Werk; es ist zugleich durch die Bemühung charakterisiert, jenen Bruch zu überwinden, der die deutsche Gesellschaft und ihre Kultur in den Jahren der NS-Herrschaft von den internationalen Entwicklungen abgespalten hatte.

Die Konferenz befragt Hildesheimers Werk nach seiner aktuellen Bedeutung. Die Vorträge, die das gesamte Werk des Schriftstellers abschreiten, werden ergänzt durch die Erinnerungen von Zeitzeugen, die, sei es als Verlagslektor, als persönlich zu Rate gezogener kritischer Leser oder als Interview-Partner, den Künstler noch persönlich kennengelernt haben.

Programm

Donnerstag, 8. Dezember 2016
19h00 Burghart Klaußner liest Wolfgang Hildesheimer

Freitag, 9. Dezember 2016
09h30 Ulrich Greiner (Hamburg): Grußwort des Präsidenten der Freien Akademie der Künste in Hamburg
Stephan Braese (Aachen): Einführung
09h45 Karlheinz Braun (Frankfurt/M.): Das Theater mit dem Absurden. Hildesheimers dramaturgischer Lektor erinnert sich
10h30 Thomas Wild (Annandale-on-Hudson, NY): Zur Mehrsprachigkeit bei Wolfgang Hildesheimer
11h15 Kaffeepause
11h30 Hilde Strobl (München): Schriftbilder und Bildwelten im literarischen und bildkünstlerischen Werk Wolfgang Hildesheimers
12h15 Christoph Pflaumbaum (Bochum):„Unheimlich stechende Blicke“. Distanznahmen als Verfahren poetischer Positionierung am Beispiel von
Hildesheimers „Die Margarinefabrik“
13h00 Mittagspause
15h00 Arnulf Knafl (Wien): Intradiegetische Stabilisierung des Erzählens und musikalische Fluchtorte in Wolfgang Hildesheimers „Tynset“
15h45 Doerte Bischoff (Hamburg): Die entsetzliche Freiheit: Zum Drama der Ordnung in Wolfgang Hildesheimers„Kanalabwärts“
16h30 Kaffeepause
16h45 Dierk Rodewald (Berlin): Seitenblicke in Hildesheimers Schreibwerkstatt
17h30 Olga Blank (Aachen): Hildesheimer als Briefautor
19h00 Abendessen

Sonnabend, 10. Dezember 2016
09h30 Stephan Braese (Aachen):„Engagement muss sein.“ Wolfgang Hildesheimer als Akteur im öffentlichen Diskurs
10h15 Hanjo Kesting (Hamburg): Die Welt aus den Fugen – Erinnerungen an Wolfgang Hildesheimer
11h00 Kaffeepause
11h15 Ulrike Vedder (Berlin): Zeitszenen, Sterbeszenen
12h30 Mittagessen