© Foto: Rudolf Kelber

Sonntag, 27. November 2016, 18 Uhr
Eine Veranstaltung von Rudolf Kelber
Präsentation
„Obersalzberg“
Musiktheater in luftigen Höhen (Rudolf Kelber, 2016)
Jutta Spiegelberg - Sopran, Eva Summerer - Alt, Jörg Gottschick und Matthias Ludwig - Bariton
Peter Bieringer und Hartmut Dittrich - Sprecher
Leitung: Rudolf Kelber
Eintritt frei

Sigmund Freud und Adolf Hitler in Berchtesgaden 1929.
Kelbers Beziehungen zu Ort und Thema sind familiär: Urgroßvater Carl v. Linde hatte seit 1885 ein Haus „Oberbaumgart“ auf dem Obersalzberg. Nach seinem Tod 1935 wurde dieses Haus von den Nationalsozialisten (entschädigt) abgerissen. Der Großvater siedelte sich 1926 in der Nähe davon ebenfalls mit einem Ferienhaus an. Dies – außerhalb der Bannmeile der Nazis gelegen und deshalb nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen – war etwas wie zweite Heimat seiner Kindheit und Jugend: Schöne Ferien, aber auch immer die gewesene Nachbarschaft: brauner Tourismus, mit den Führer verklärenden Broschüren…Das ist der Hintergrund.

Sigmund Freud war mehrmals im Berchtesgadener Land, sogar auch auf dem Obersalzberg. Als der dortige Tourismus antisemitische Züge annahm, wich er nach Schönau nahe dem Königsee aus. 1929 war im Schneewinkl-Lehen während der Sommermonate zu Gast und schrieb während dieses Aufenthaltes den Aufsatz „Über das Unbehagen in der Kultur“. Das Unbehagen war berechtigt, denn gleichzeitig oder fast gleichzeitig saß - fünf oder sechs Kilometer Luftlinie entfernt davon - Adolf Hitler im „Kampfhäusl“ am Obersalzberg.
Den 2. Band von „Mein Kampf“ hatte er 1926 beendet. Die beiden sind sich in Wirklichkeit nie begegnet. In dem Stück kommt eine solche Begegnung als spezielle Traumsequenz aber vor. Hitlers Rassenwahn und die Freudsche Analyse passen ja ineinander wie Puzzle-Teile. Kelber hatte keine große Neigung, Hitlers Machwerk überhaupt nur auf den Tisch zu legen, Freuds Text war sehr unnahbar. Dennoch ergaben sich durch Kürzung der Originaltexte aus Freuds Prosa einige veritable Arientexte. Der Rest ergab sich.