Veranstaltungsreihe
Weiterbauen - Nachnutzungskonzepte denkmalgeschützter Bauten
Eine Kooperation von Freie Akademie der Künste in Hamburg, DENKMALSCHUTZAMT HAMBURG, BDA HAMBURG und HAMBURGISCHE ARCHITEKTENKAMMER
Es gilt, ein kleines Jubiläum zu feiern: In diesem Jahr laden wir, der BDA Hamburg, die Freie Akademie der Künste, das Denkmalschutzamt Hamburg und die Hamburgische Architektenkammer, zum zwanzigsten Mal zu unserer gemeinsamen Exkursionsreihe „Weiterbauen“. Als wir 2005 starteten, waren die Bauaufgaben Umnutzen, Sanieren, Modernisieren noch kein großes Thema. Dass das Bauen ein Hauptverursacher der Klimakrise ist und es gewaltigen Raubbau betreibt an unseren Ressourcen und der Umwelt, interessierte damals nur Wenige.
Heute sind wir weiter und es ist allen klar, dass das Weiterbauen dem neu Bauen vorzuziehen ist, wenn wir Nachhaltigkeit und Klimaschutz ernst nehmen wollen. Doch natürlich: Es geht nicht nur um Klima- und Umweltschutz. In einer immer schneller, derzeit geradezu disruptiv sich wandelnden Welt brauchen wir Halt, Identität und Selbstvergewisserung. Dies zu liefern ist eine wichtige Aufgabe von Stadt, die stets mehr ist als eine bloße Ansammlung von Gebäuden. Wie schrieb Aldo Rossi: „One can say that the city itself is the collective memory of its people, and like memory it is associated with objects and places. The city is the locus of the collective memory.“ Das Weiterbauen ist also stets auch wichtige Arbeit an und Fortführung von Geschichte.
Auch in diesem Jahr zeigt unser Programm die ganze Bandbreite des vorbildlichen Umgangs mit Bestandsbauten: die Umnutzung eines der ältesten Bürgerhäuser Hamburgs in eine Galerie, die Umwandlung einer Kirche der Nachkriegszeit in ein Kunstzentrum, die Neunutzung und Erweiterung der historischen Maschinenzentralstation in der Speicherstadt, der Umbau des einst weltgrößten Fernpostamts zum Forschungsstandort, die Sanierung und Erweiterung einer Kita der 1960er Jahre, die Instandsetzung eines Hochschulgebäudes von Fritz Schumacher, die Sanierung eines historischen Technikturms der Wasserwerke und die Modernisierung des Hamburger Hauptquartiers der Heilsarmee mitten auf dem Kiez.
Herzlich willkommen bei den Führungen von „Weiterbauen“. Wir freuen uns auf Sie!
MITTWOCH, 4.6.2025, 16 UHR
Sanierung des Technikturms Rothenburgsort
Mit
Elke Thielmann-Dittert (d3-architekten)
Ilona Zenke (Hamburg Wasser)
Am Ausschläger Elbdeich hat sich bis heute eines der bedeutendsten Denkmale der umfassenden Erneuerung der städtischen Infrastruktur nach dem Großen Brand erhalten: das Elbwasserwerk Rothenburgsort als Teil der „Stadtwasserkunst“. Nach den Plänen der englischen Ingenieure William Lindley und William Chadwell Mylne sowie des Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf entstand ein umfangreicher, mehrfach erweiterter Komplex zur Wasserreinigung und -versorgung. Das Elbwasser wurde in große Absetzbecken geleitet und dort grob gereinigt, dann mittels Dampfmaschinen in eine Steigleitung in den 67 Meter hohen Turm gepumpt, der jedoch nicht die Aufgabe eines Wasserreservoirs hatte. Vielmehr erzeugte dessen Wassersäule genügend und gleichbleibenden Druck im Leitungsnetz. Außerdem diente der zweischalige Bau als Schornstein des Kesselhauses, dessen Abwärme ein Einfrieren der Wasserleitungen im Winter verhinderte.
Obwohl Rothenburgsort im Krieg weitestgehend zerstört wurde, blieben Turm und Maschinenhalle unversehrt. Der schlichte, sich nach oben um zwei Meter verjüngende Backsteinturm besitzt eine reich verzierte Aussichtsgalerie mit Rundbogenfenstern, zu der im Inneren eine bis heute erhaltene ornamentierte, gusseiserne Wendeltreppe führt. Der Turm wurde 1950 unter Denkmalschutz gestellt und zuletzt von d3-architekten umfassend innen und außen saniert.
MITTWOCH, 11.6.2025, 16 UHR
Sanierung des Fröbel-Kindergartens Essener Strasse
Mit
Corinna Nickel/Christoph Bartsch (Denkmalschutzamt Hamburg)
Marcus Weinrich (KBNK Architekten GmbH)
Das ursprünglich als Tabakfabrik vom Hamburger Architekten Walter Hanssen entworfene und 1961 fertiggestellte Büro- und Fabrikgebäude steht seit 2013 unter Denkmalschutz. 2024 erfolgte die Umnutzung in eine Kindertagestätte. Der zweigeschossige Bau mit klar gegliederter Fassade aus gelblichem Klinker und zweifarbigen Holzfenstern ist ein typischer Gewerbebau seiner Zeit. Bei der Sanierung stand der Erhalt der gewendelten Freitreppe im Inneren, der Einschnitt aus Glasbausteinen im Eingangsbereich und der originalen Schwingflügelfenster im besonderen Fokus des Denkmalschutzes. Das Gebäude wurde sensibel um einen eingeschossigen Neubau ergänzt. Er tritt in der Straßenansicht deutlich gegenüber dem Bestand zurück, um diesen freizustellen. Ein Verbindungsbauwerk zwischen Bestand und Neubau stellt den neuen Eingangsbereich dar. Die Pfosten-Riegel-Fassade mit bunten Türelementen zum Außenbereich lässt viel Licht in die Gruppenräume, jeder Raum erhält einen direkten Ausgang ins Freie. Der Neubau erhält durch seine Gestaltung eine eigene Identität, die sich als Ergänzung des Hanssen-Baus versteht und gleichzeitig die charakteristischen Bestandteile der 1960er Jahre Architektur bewahrt.
Mittwoch, 18.6.2025, 16 Uhr
Sanierung und Instandsetzung Hauptgebäude HAW
Mit
Enno Stöver, HAW
Nicolas Britsch, dfz architekten
Albert Schett, Denkmalschutzamt Hamburg
Das denkmalgeschützte Gebäude, 1911-1914 von Fritz Schumacher errichtet, ist heute Teil der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) am Campus Berliner Tor. Im Ersten Weltkrieg diente es als Reservelazarett, im Zweiten Weltkrieg brannte es nach Luftangriffen vollständig aus. Unmittelbar nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Bis in die 1970er Jahre war es Standort für die Ingenieurs-Ausbildung. Heute ist dort das Department Maschinenbau und Produktion untergebracht. Seit 2015 werden Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Zu den Maßnahmen gehören u.a. die ganzheitliche Sicherheits-, Feuchtigkeits-, Dach- und Fassadensanierung, zahlreiche Rückbaumaßnahmen mit brandschutzgerechtem Wiederaufbau sowie die Möblierung öffentlicher Bereiche. Die Besonderheit des Baukörpers zeigt sich in den verschiedenfarbigen Steinputzflächen, die hinter zahlreichen Farbanstrichen zum Vorschein kamen. Im Zuge der Betonsanierung wurden die Putzdecken, -wände und Pfeiler mit ihren ursprünglichen Ornamenten freigelegt und in aufwendigen Retuschearbeiten aufgearbeitet. Außerdem wurde eine neue Leuchtenserie implementiert, deren Design die Geometrie der Ornamente aus Wand und Decke aufgreift und in dezent moderner Form interpretiert.
Mittwoch, 25.6.2025, 16 Uhr
Umnutzung der ehemaligen Nikodemuskirche in Ohlsdorf
Mit
Dr. Ursula Markfort (Denkmalschutzamt Hamburg),
Axel Winckler (WRS ARCHITEKTEN & STADTPLANER GMBH BDA),
Sönke Bruhns (Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns)
Im Rahmen des Projekts „Parabel – Zentrum für Kunst in Hamburg“ wurden die ehemalige Nikodemuskirche (1959, Architekt: Henry Schlote) und das zugehörige Gemeindehaus in Ohlsdorf zu einem Zentrum für moderne Kunst umgebaut. Ziel ist, die Hamburger Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Name „Parabel“ greift die prägende Gestalt des Innenraums der Kirche auf: Während der Bau außen die traditionalistische Strömung der 1930er Jahre weiterführt, besitzt er innen einen parabelförmigen Querschnitt, der auf die Moderne der 1920er (Bauten von Dominikus Böhm, Alfred Fischer, Josef Franke und Jan Hubert Pinand) zurückgreift.
Das Zentrum wird rund 800 qm Ausstellungsfläche sowie 450 qm für Büros, Seminare und Lager umfassen. Geplant sind jährlich mehrere Wechselausstellungen, kunsthistorische Sonderveranstaltungen, Symposien und eine dauerhaft angelegte Forschungsstelle zur Kunst der Moderne in Hamburg. Die Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns, die derzeit 2.500 Werke umfasst, wird in das Projekt integriert und soll auf 7.500 Arbeiten erweitert werden. Im ersten Schritt wurde das Kirchengebäude in einen Ausstellungsraum umgewandelt. Nach der ersten Ausstellung im Frühjahr 2025 beginnt der zweite Bauabschnitt mit dem Umbau des ehemaligen Gemeindehauses; das zugehörige Kindertagesheim bleibt bestehen.
Mittwoch, 2.7.2025, 16 Uhr
Campus Schlüterstraße: Umnutzung des ehemaligen Fernsprechamtes
Ausgebucht
Mit
Mirko Kogutkiewicz (hagenauer GmbH)
Jakob Hahn (Denkmalschutzamt Hamburg)
Andreas Heller (Andreas Heller Architects & Designers)
Michael Sehmsdorf und Henrik Eichler (beide ARGE BEP/a-base Architekten)
Das ehemalige Fernsprechamt in Hamburg-Rotherbaum war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung 1907 das größte weltweit. Im Stil der Neogotik erbaut, war das imposante Gebäude Symbol des technischen Fortschritts. Ferner ging von hier im Jahr 1924
erstmals die Nordische Rundfunk AG (NORAG) auf Sendung. Bis heute prägt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude den Stadtteil maßgeblich. Andreas Heller Architects & Designers entwickelte ein Konzept für die Umnutzung als Wissenschaftsstandort. Der Entwurf sieht die Revitalisierung, den Umbau und die bauliche Erweiterung vor. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wird das markante Gebäude auf seine historische Grundstruktur zurückgebaut, mit neuen Erschließungskernen versehen und um Hofeinbauten und einen Neubauflügel an der Binderstraße ergänzt. Neue Nutzer werden die Geisteswissenschaften der Universität Hamburg, die Leibniz-Institute GIGA German Institute of Global and Area Studies sowie das Leibniz-Informationszentrum
Wirtschaft (ZBW) sein.
Mittwoch, 9.7.2025, 16 Uhr
Sanierung und Modernisierung des
Hauses der Heilsarmee
Mit
Mareike Walz (Heilsarmee)
Andor Busse (Kantstein Architekten)
Christoph Schwarzkopf (Denkmalpflege)
In der Talstraße 11-15, mitten im Kiez auf St. Pauli, steht ein 1890 eröffneter, nach Plänen von Gustav Zinnow und Hugo Stammann im Stil der Hannoverschen Schule errichteter Rotklinkerbau. Er ist seit 1922 der Hamburger Sitz und Fürsorgeort der Heilsarmee in Hamburg. Ursprünglich war das Gebäude eine Dependance des „Vereins der Herbergen zur Heimath“ des Theologen und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichern. Die „Herbergen“ waren einfache und günstige Unterkünfte für Wandergesellen und Handwerker auf Grundlage einer christlichen Hausordnung. 1920 wurde das Haus von Emil Meyer erworben, einem Prediger der pietistischen Bewegung, der es zwei Jahre lang als Missionsgebäude betrieb, bis dann die Heilsarmee das Gebäude erwarb und dort ihr „Divisionshauptquartier“ einrichtete.
Durch die intensive Nutzung wurde das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude zerschlissen und eine grundlegende Sanierung notwendig, für deren Umsetzung Stiftungen und Privatpersonen Geld spendeten. Die Sanierung des Büros Kantstein erfolgte grundlegend, weil die gesamte Bausubstanz angegriffen war. Im Zuge der Arbeiten wurde das Erdgeschoss geöffnet, eine neue Eingangshalle geschaffen und der große Saal mit seiner Holz-Kassettendecke wiederhergestellt. Im Souterrain wurden eine moderne Küche, Beratungsräume, eine Kleiderkammer, Duschen und ein Friseurbereich eingebaut. In den Obergeschossen fanden, erschlossen über historische Treppenhäuser und einen neuen Fahrstuhl, die Büros der Heilsarmee sowie fünfzehn moderne Wohnungen Platz, elf davon gefördert. Bemerkenswert ist der planerische Ansatz: Historisches wurde freigelegt, jedoch nirgendwo durch Rekonstruktionen ergänzt: Alt und neu bleiben stets ablesbar.
Mittwoch, 16.7.2025, 16 Uhr
Denkmalgerechte Sanierung Bornemannsches Haus
Mit
Heiner Limbrock, Limbrock Tubbesing Architekten
Anna Zülch, Architektin der Denkmalpflege
Jens Kotte, Denkmalschutzamt
Das um 1565 errichtete Bornemannsche Haus gehört zu den ältesten Bürgerhäusern Hamburgs. Ab Anfang des 19. Jahrhunderts diente es fast hundert Jahre lang als Färberei. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde es immer wieder umgebaut und renoviert. Für die neue Nutzung als Galerie für zeitgenössische Kunst wurde es denkmalgerecht und nachhaltig saniert. So wurde die Sohle abschnittsweise erneuert. Beschädigungen, die durch fehlerhafte Sanierungen zustande kamen, wurden behoben, wie das Entfernen von Zementmörtelfugen. Das Mauerwerk wurde ausgebessert, Schadstoffe aus dem Holz entfernt. Das Holzskelett des Fachwerkbaus wurde ertüchtigt und ausgetauscht. Während der Sanierung entdeckte man dekorative Wandmalereien, die der Hamburger Denkmalschutz aufnahm und zuordnete. Hölzerne Innenausbauten wie Treppen, Wandvertäfelungen sowie Türen und Laibungen wurden aufgearbeitet und erhalten. Alle Fenster wurden erneuert, Sanitärräume sowie Heizungen installiert, um eine dauerhafte Nutzung zu ermöglichen. Die Galerieflächen betten sich in den Bestandsgrundriss des Gebäudes ein. Die historische Bausubstanz bleibt sichtbar – die ausgestellte Kunst soll sich darin einfügen.
Mittwoch, 23.7.2025, 16 Uhr
Ehemalige Maschinenzentralstation Speicherstadt
Ausgebucht
Mit
Anna Mielck, BIWERMAU Architekten BDA
Die ehemalige Maschinenzentralstation wurde im Zuge des ersten Bauabschnittes der Speicherstadt 1880 errichtet und ist seit 2015 Teil des UNESCO Weltkulturerbes Speicherstadt. Zusammen mit dem Kesselhaus entstand ein Gebäudeensemble zur eigenständigen Energieversorgung aller Speichergebäude und deren Förderanlagen. Durch einen Brand 1891 wurde die Maschinenzentralstation erheblich beschädigt und als niedrigeres und teilweise abgewandeltes Gebäude wiederhergestellt. Durch eine Fliegerbombe im Zweiten Weltkrieg wurde sie erneut zerstört und nur der westliche Teil des Gebäudes wiederaufgebaut. Der zerstörte Kopfbau wurde nun von BIWERMAU Architekten auf alten Fundamenten wiederaufgebaut und zusammen mit dem bis dato ungenutzten Bestandsgebäude der ehemaligen Maschinenzentralstation einer neuen gemeinsamen Nutzung zugeführt. Alle historischen Bauteile wurden unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert und erhalten, der neue Kopfbau bildet eine behutsame und zeitgenössische Erweiterung des Bestandes.