Mittwoch, 4. November 2009, 19.30 Uhr
Denken ohne Geländer
Zum 50. Jahrestag von Hannah Arendts Rede "Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten"
bei der Entgegennahme des Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg.
Peter Striebeck liest.
Wolfgang Hegewald und Birgit Recki disputieren
.
Eintritt: 6,- / erm. 4,-

Im Herbst 1959, vor fünfzig Jahren also, ehrte die Freie und Hansestadt Hamburg Hannah Arendt mit dem Lessing-Preis, und die Ausgezeichnete bedankte sich mit einer Rede "Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten", deren Wortlaut und Intention bis heute nichts von ihrer Prägnanz und Brisanz eingebüßt haben. Die Welt als der allen Menschen gemeinsame Gegenstand ( und nicht irgendeine Menschennatur, wie es heute diverse Werte- und Menschenbilddebatten suggerieren), Freiheit als erste Bedingung der Menschlichkeit, die Verteidigung der Öffentlichkeit als einer Sphäre des Lichts ( wider ein in finsteren Zeiten gedeihendes Gemeinschaftspathos, das die Wärme des Zusammenrückens preist) und das Lob der Freundschaft, die sich im Gespräch über die Welt konstituiert, und nicht im Gleichklang verwandter Seelen - das sind gewichtige, oft von Lessing abgeleitete Gesichtspunkte in Hannah Arendts Rede.
In Hannah Arendts Lessingpreis-Rede verschränken sich poetische Präzision und politisch-philosophische Gelehrsamkeit. Für die Autorin gilt, was sie einst Walter Benjamin attestierte: sie besitzt die Gabe, "dichterisch zu denken".

Der Autor Wolfgang Hegewald wird mit Birgit Recki, Professorin für Praktische Philosophie an der Universität Hamburg, über Arendts Rede disputieren, der Schauspieler Peter Striebeck Auszüge aus der Rede lesen.

Wolfgang Hegewald, geb. 1952 in Dresden, studierte Informatik und Theologie, bevor er 1983 nach Hamburg übersiedelte, da in der DDR seine schriftstellerischen Arbeiten nicht publiziert wurden. 1984 wurde er beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt ausgezeichnet, 1987 erhielt er ein Stipendium der Villa Massimo in Rom. Er veröffentlichte mehrere Romane. Von 1993 an leitete Hegewald das Studio für Literatur und Theater an der Universität Tübingen, seit 1996 ist er Professor für Rhetorik und Poetik an der HAW. Seit 2006 ist Hegewald Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Birgit Recki promovierte 1984 mit dem Thema „Aura und Autonomie. Zur Subjektivität der Kunst bei Walter Benjamin und Theodor W. Adorno“. Von 1985 bis 1992 nahm sie eine Lehrtätigkeit am FB Design der Fachhochschule Münster und an der Kunstakademie Münster wahr, von 1985 bis 1997 lehrte sie am Philosophischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ihre Habilitation folgte 1995 mit „Ästhetik der Sitten. Die Affinität von ästhetischem Gefühl und praktischer Vernunft bei Kant“. Zwischen 1993 und 1997 war Recki Dozentin auf der Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin im FB Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg, seit 1997 ist sie Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg und Leiterin der Ernst-Cassirer-Arbeitsstelle.

Peter Striebeck 1938 als Kind einer Schauspielerfamilie in Frankfurt (Oder). Er absolvierte nach dem Abitur von 1958 bis 1960 bei Eduard Marks die Schauspielklasse an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg und gab sein Debüt 1960 am Theater Ulm, 1961 bis 1964 wirkte er bei Willy Maertens am Thalia Theater in Hamburg und von 1964 bis 1968 gehörte er zum Ensemble des Burgtheaters in Wien. Danach spielte er wieder vor allem am Thalia Theater, wo er als Nachfolger von Boy Gobert von 1980 bis 1985 Intendant war. Er hat in den 80er- und 90er Jahren oft bei Tatort-Folgen mitgespielt und bei diversen Fernsehsendungen und -serien mitgewirkt.  1965 heiratete er die Burgschauspielerin Ulla Purr und wurde Vater der Töchter Catrin (* 18. April 1966) und Janna (* 5. März 1971). Seit 1976 ist er Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Peter Striebeck ist seit 1981 Mitglied und seit 1997 Vizepräsident der Freien Akademie der Künste Hamburg.