Die Tafel 2 – Eine Installation von Maria Kulikovska

Eröffnung der Installation "Die Tafel 2" der Ukrainischen Künstlerin

Maria Kulikovska

Einführung: Reinhold Engberding

“Man deckt eine Tafel, wenn Gäste erwartet werden. … Die Porzellan-Edition basiert auf der Serie von Aquarellen, die die Künstlerin seit 2016 fortführt. Sie sind zum Teil auf Formularen von Behörden ausgeführt und waren ursprünglich sinnlich-politisch konnotiert. Gender, Sexualität und deren Rolle und Akzeptanz in Osteuropa sind seit langem Marias Themen, die auch in ihren Performances, Videos und Skulpturen kommuniziert werden. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine erhielten die Arbeiten einen schmerzhaften Kontext. Die Rottöne dieser Körper glühen nicht nur, sie bluten auch. Nach den Verbrechen von Butscha und Irpin, Bila Tserkva und Tschernihiw wirkt dieses Fleisch kaum erotisch, sondern extrem verletzlich und verwundet, wörtlich wie auf dem Tablett serviert und schutzlos den fremden Blicken ausgeliefert. Die Teller und Tassen erscheinen durch die Körpermotive mehr als voll, und doch sind sie leer.”     (Dr. Olena Balun)

Maria Kulikovska, geboren 1988 in der Ukrainischen autonomen Republik Krim, studierte zunächst Architektur in Kiew und danach Freie Kunst in Stockholm. Nach der Annexion der Krim floh sie nach Kiew und lebte und arbeitete dort. Kurz nach dem 24. Februar 2022 war sie, zusammen mit ihrem neugeborenen Baby, gezwungen, erneut zu fliehen. Derzeit arbeitet sie als Stipendiatin des Landes Oberösterreich und des Francisco Carolinum Museums Linz in den keramischen Werkstätten der Gmunder Keramik-Manufaktur an einer neuen Installation („Table of negotiations“).

Bei uns wird ein anderer gedeckter Tisch zu sehen sein. Auf das Geschirr, alltägliche, weiße Porzellanteller und -schalen, wurden mit einem speziellen Verfahren aktuelle Zeichnungen von Maria Kulikovska aufgebracht. Diese „Tafel 2″ wird bei uns erstmals gezeigt werden.

Ausstellung geöffnet vom 14.2. bis 10.3. und 19. bis 31.3.2023, Mo.-Fr. 9:30 – 14:30 Uhr
eintritt frei
© Abbildung: Oleana Balun