KUNST ALS SINNSTIFTUNG ?
Auf dem Weg in die Unsinnsgesellschaft ? Ist der Sinn stiften gegangen ?

Vortrag
NORBERT BOLZ, Universität Essen

Montag, 14. Januar 2002, 19.30 Uhr
Eintritt: € 6,-- / erm. 3,50

Kunst als Sinnstiftung? -das Fragezeichen, mit dem wir den Titel unserer Vortragsreihe versehen haben, deutet es bereits an- ist keine Selbstverständlichkeit. Was sich in den vorangegangenen Beiträgen von Jochen Hörisch, Jan Philipp Reemtsma, Frank Schirrmacher, Günter Kunert, Peter Fischer-Appelt und Boris Groys bereits anklang, Norbert Bolz spricht es in seinen Thesen unverblümt aus: Sinnstiftung war über Jahrhunderte hinweg eine Domäne der Kunst, insbesondere der Literatur, damit jedoch hat es, so Bolz, in Zeiten fortschreitender Medialisierung und industrieller Werteverbreitung ein Ende. Vielmehr findet eine Sinnstiftung -wenn überhaupt- heute in anderen Bereichen statt, die Bedeutung der Kunst aber erfährt eine hierzu koplementäre Entwicklung, wird in Sinnfragen sogar zusehends spröder.
Marketing, Werbung, Politik resp. die politische Selbstdarstellung seien die Felder, in denen heute Sensemaking betrieben wird. Überhaupt ist die englische Vokabel, die Bolz als Titel auswählt, symptomatisch. Übernommen aus der US-amerikanischen Soziologie, die das Sensemaking als vorrangige Eigenschaft erfolgreichen Managements beschreibt, findet der Begriff bei den sog. script-Theoretikern Verwendung, deren Ansicht nach Gesellschaft wie Leben des Einzelnen immer stärker festgelegten scripts (also Drehbüchern) folgen, die keines über sie hinausgehenden Sinns bedürfen.

Sicherlich provokante Thesen, die es im Rahmen des Vortrags zu untermauern gilt.

 

Norbert Bolz
1953 in Ludwigshafen geboren. Abitur am dortigen Max-Planck-Gymnasium.
Studierte in Mannheim, Heidelberg und Berlin Philosophie, Germanistik, Anglistik und Religionswissenschaften.
Doktorarbeit über die Ästhetik Adornos bei dem Religionsphilosophen Jacob Taubes.
Habilitation über "Philosophischen Extremismus zwischen den Weltkriegen". Bis zum Tod von Taubes dessen Assistent.
Forschungsaufenthalte in Paris, Utrecht und Sao Paulo.
Gastprofessuren in Bochum, Klagenfurt und Bloomington (Indiana).
Seit 1992 Universitätsprofessor für Kommunikationstheorie am Institut für Kunst- und Designwissenschaften der Universität Essen.

Arbeitsschwerpunkte: Medien- und Kommunikationstheorie, Designwissenschaft

Publikationen:
Am Ende der Gutenberg-Galaxis, München 1993
Das kontrollierte Chaos, Düsseldorf 1994
Kultmarketing, Düsseldorf 1995
Die Sinngesellschaft, Düsseldorf 1997
Die Wirtschaft des Unsichtbaren, München 1999
Die Konformisten des Andersseins, München 1999