Mittwoch, 11. April 2012, 19 Uhr
Durs Grünbein
Lesung und Gespräch mit Ulrich Greiner
in der Reihe
Inspiration - wie kommt die Kunst in den Kopf?
Eintritt: 10,- / erm. 7,-
Die Reihe wird unterstützt durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Zeit-Stiftung

Die Wiederkehr des Begriffs Inspiration für die geistige und künstlerische Tätigkeit ist eine Tatsache, die in der ästhetischen Debatte noch nicht wirklich wahrgenommen worden ist. Man kann sagen, dass die Inspiration in den Köpfen herumgeistert. Das ist kein Kalauer, sondern beschreibt lediglich ein vages Gefühl. Tatsache ist jedenfalls, dass die Zeit rationalistischer Konzepte ihren Höhepunkt überschritten hat. Der Künstler ist nicht mehr (oder nicht mehr allein) der Maschinist, der einen komplexen Apparat zu bedienen weiß und einem festen Programm folgt (wie es in der Bildenden Kunst und der Musik oftmals der Fall war), sondern er tritt uns wieder als das schaffende, schöpferische Subjekt vor Augen. Inspiration als Ereignis ist ihm nicht mehr fremd. Aber noch ist völlig unklar, ob damit eine Renaissance womöglich kunstreligiöser Vorstellungen einhergeht. Man muss zunächst Vorsicht walten lassen, weil die Künstler einerseits oft allergisch sind gegen quasiideologische Festlegungen; weil sie andererseits, sonst wären sie nicht Künstler, keine Meister des Begriffs sind.
Die Fragen, die unsere Reihe aufwerfen und vermutlich nicht immer beantworten wird, lauten etwa: Wie kommt die Kunst in den Kopf (auf die Bühne, auf die Leinwand)? Verdankt sich der glückliche Einfall dem Zufall, der Ausdauer, einer erwerbbaren Kompetenz? Oder etwa einer Eingebung, die ihm aus der historischen Tiefe oder gar von ganz oben zuteil wird? „Das Wort Inspiration besitze keinerlei Bedeutung, bemerkt T.S.Eliot, wenn es nicht einschließe, dass der Dichter in seinem Werk weit mehr aussage, als er beabsichtige und sogar als er selbst zu verstehen in der Lage sei“, schreibt Martin Mosebach und fügt hinzu: „Der Künstler kennt den seltenen, manchmal ohne Hoffnung ersehnten Augenblick, in dem etwas Fertiggewordenes vor ihm liegt, dessen Vollendung, wie er mit Gewissheit sagen kann, sich nicht seinen eigenen Kräften verdankt.“ (Mosebach: Als das Reisen noch geholfen hat, München 2011, 349f). Ziel der Reihe besteht unter anderem darin, das Gespräch zwischen den verschiedenen Kunstrichtungen zu befruchten und dem Publikum die Erfahrung zu vermitteln, dass Kunst nicht allein das Gemachte ist, sondern tiefere Wurzeln hat.