Dienstag, 18. September 2012, 19 Uhr
Im Rahmen des Harbour Front Literaturfestival
Heinrich Heine & Ludwig Börne
oder Das Zerwürfnis von Moral und Kunst
Aus den Quellen dokumentiert von Hanjo Kesting
Mit Siegfried W. Kernen, Burghart Klaußner und dem Autor
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-

Sie gingen eine Zeitlang nebeneinander, sogar miteinander, dann wuchsen Zweifel und Argwohn, zuletzt es kam zu Streit und Zerwürfnis. Sie befehdeten einander so giftig, wie es ihnen kaum von ihren politischen Gegnern widerfuhr. Börne warf Heine dessen Dichtertum vor, und Heine revanchierte sich mit dem Vorwurf des abgeschmacktesten Jakobinismus. Der eine goß Spott aus über Heines Verhältnis zu der Pariser Grisette Mathilde, und der andere verhöhnte Börnes ménage à trois mit Jeanette Wohl und ihrem zweiten Ehemann. Börnes Briefe aus Paris sind durchsetzt von gehässigen Sottisen und wütenden Ausfällen gegen Heine, Heine wiederum publizierte nach Börnes Tod ein ganzes über den Widersacher, das er Ludwig Börne. Eine Denkschrift nannte und das in Wahrheit eine Schmähschrift war, boshaft und vernichtend. Das Verhältnis der beiden großen Autoren hat komische und tragische Seiten und ist durchsetzt von Ironie, wie immer, wenn im bitteren Gegensatz eine tiefere Vernunft wirksam ist.
Hanjo Kesting hat die Dokumente der Auseinandersetzung aus den Quellen zusammengestellt und rekonstruiert in der szenischen Lesung das tiefste und bitterste Zerwürfnis in der Geschichte der deutschen Literatur.