Helmut Heißenbüttel, Selbstporträt 1952/53 © Freie Akademie der Künste

Montag, 2. Juni 2014, 19 Uhr
In Kooperation mit dem Literaturhaus Hamburg, dem Wallstein Verlag und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Was Literatur alles ist.
Helmut Heißenbüttel als Autor und Rezensent vorgestellt von Klaus Ramm und Ulrich Greiner.
Jasper Diedrichsen liest ausgewählte Literaturkritiken Heißenbüttels aus dem neuen Sammelband "Zur Lockerung der Perspektive".
Eintritt: 8,- / erm. 5,-

Helmut Heißenbüttel war -ohne sich in den Vordergrund zu drängen - als Autor, Kritiker und Rundfunkredakteur eine der prägenden Persönlichkeiten der der deutschen Literatur in der frühen Bundesrepublik. Das Schreiben über Literatur war für ihn ebenso wichtig wie das Schreiben seiner eigenen Textbücher, Gedichtbände, Erzählungen oder Hörspiele. Schreibend war er auf der Jagd nach der Befriedigung seiner eigenen Lust am Lesen, selbst seine kritischen Schriften verstand er als „Beiträge zu einer Unterhaltungsliteratur für Leseratten“. Fesselnde Romane und konkrete Poesie, Klassikerausgaben und Kinderbücher, Krimis und Comics: Heißenbüttels Vorstellung von dem, was Literatur sein kann, war schon in den fünfziger Jahren weitherzig und unorthodox. Als Leser wie als Kritiker trieb ihn die Neugier auf Ungewohntes, Unabgesichertes und unbekannt Gebliebenes außerhalb und auch innerhalb des literarischen Kanons. Er suchte in der Dichtung weder nach der erfüllten Norm noch nach ewigen Werten, das selbstgewisse Zelebrieren von Geschmacksurteilen war nicht sein Metier. Eher bot das Rezensieren Heißenbüttel Gelegenheit zur anschaulichen Erörterung methodischer und poetologischer Fragen: ein undogmatisches und stets zweifelndes Nachdenken über Sprache, Literatur und deren gesellschaftliche Implikationen.

Im Gespräch über den neuen Band Zur Lockerung der Perspektive mit ausgewählten Literaturkritiken Heißenbüttels versuchen Ulrich Greiner und der Herausgeber Klaus Ramm den bis heute offenen Fragen im Verhältnis zwischen Literatur und Literaturkritik ein wenig weiter auf die Spur zu kommen, auch im Blick auf die gegenwärtige Situation. Dazu liest Jasper Diedrichsen ausgewählte Beispiele aus dem neuen Buch.

Helmut Heißenbüttel (1921-1996) kehrte schwer verwundet aus dem Krieg zurück, wurde nach dem Studium Verlagsangestellter in Hamburg und von 1957 bis 1981 Rundfunkredakteur in Stuttgart, erhielt für sein einflussreiches literarisches und essayistisches Werk u. a. den Georg-Büchner-Preis und den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur.

Helmut Heißenbüttel: Zur Lockerung der Perspektive. 5 x 13 Literaturkritiken. Ausgewählt und herausgegeben von Klaus Ramm unter Mitarbeit von Armin Stein. Göttingen: Wallstein 2013. Ln. 360S., € 32,- (=92. Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt)