Montag, 30. November 2009, 19.30 Uhr
Hans Henny Jahnn zum 50. Todestag

Uwe Schweikert: "Jahnn und Hamburg" (Vortrag)
Paul Kersten präsentiert den NDR-Dokumentarfilm
"Ein Mann ohne Ufer"
(1975) von Paul Kersten und Peter Rühmkorf
Ulrich Greiner
: Moderation, Armin Sandig: Begrüßung
Eintritt: 6,- / erm. 4,-
Details 
Hans Henny Jahnn
Zeichnung: Annette Bätjer

Am 29. November jährt sich der Todestag Hans Henny Jahnns zum 50. Mal. Aus diesem Anlass erinnern die Freie Akademie der Künste, das Thalia-Theater und die Buchhandlung „Männerschwarm“ in jeweils eigenen Veranstaltungen an die in jeder Hinsicht format-sprengende Persönlichkeit ­– eben ein Mann ohne Ufer.

Die Akademie, deren Initiator und Gründungspräsident Jahnn war und in der seine Vorstellungen und Ideen bis heute fortleben, bringt hierzu am 30. November das Who-is-who der Jahnn-Kenner zusammen: Jahnn und Hamburg lautet der Titel des Vortrags von Uwe Schweikert, Herausgeber der Jahnn-Gesamtausgabe und Autor der bald erscheinenden Jahnn-Monographie in der Reihe Hamburger Köpfe. Im Gespräch mit Ulrich Greiner (ehemaliger Literaturchef und heute Kulturkorrespondent der ZEIT sowie Herausgeber von ZEIT-Literatur) wird Schweikert Authentisches über den oft verkannten Schriftsteller, Dramatiker, Orgelbauer, Musikforscher und -verleger, Hormonforscher, Tierzüchter, Baumeister und Friedenskämpfer berichten.

Abgerundet wird der Abend durch die Vorführung der NDR-Produktion „Ein Mann ohne Ufer“ (1976), vorgestellt von dessen Autor Paul Kersten, da Peter Rühmkorf, der Mitautor, leider im vergangenen Jahr gestorben ist.

Weitere Veranstaltungen zum thema:

Sonntag, 15. November, 21 Uhr
Eine Veranstaltung der Buchhandlung „Männerschwarm“
Pastor Ephraim Magnus
Es lesen: Susi Banzhaf, Wulf Mey, Christian Bruhn und viele andere.
Veranstaltungsort: Heilige Dreieinigkeitskirche, St. Georgs Kirchhof
Auf dem Sterbebett verflucht der alte Pastor Magnus die Welt, die Schöpfung und sein ohne Liebe gelebtes Leben. Seine drei Kinder begeben sich auf die Suche nach einer ohne Schranken gelebten Liebe, nach der sinnlichen und geistigen Natur des Menschen. Die Verwirklichung dieser Natur gipfelt in wütend herbeigeführten Schmerzerfahrungen und dem Wunsch nach Selbstauslöschung. Schließlich erwacht der junge Magnus aus diesem Wahn und tritt die Nachfolge seines Vaters an. Das Drama, ein gewaltiger und gewalttätiger Text für vier Solisten und ein großes Stimmen-Orchester, wird als Live-Hörspiel von der Orgelempore aus in den Kirchenraum hinein gelesen.

Montag, 23. November, 20 Uhr
Eine Veranstaltung der Buchhandlung „Männerschwarm“
Jeden ereilt es
Szenische Textcollage von Mario Fuhse.
Es lesen: Nina Petri, Christian Bruhn und Armin Dallapiccola.
Veranstaltungsort: Witthüs im Hirschpark, € 10,- Bewirtungspauschale
Der Naturbusche Gari rettet dem Reederssohn Matthieu das Leben, doch ihre Freundschaft ruft im Haus der Reeders ambivalente Reaktionen hervor. Das gedankliche Spektrum des komplexen Texts reicht von Reflexionen über Eros und Thanatos bis zu modernen Fragen von Gender und Identität. Die Veranstaltung findet an einem wichtigen Ort der Handlung statt, dem Witthüs im Hirschpark, wo Jahnn zudem von 1950 bis 1959 selbst gewohnt hat.

17. Dezember 2009, 20 Uhr
Eine Veranstaltung des Thalia Theaters
Perrudja I
Konzertantes Hörstück.
Einrichtung Christine Ratka  Komposition und Musik Michael Maierhof, Es spielt  Bibiana Beglau.
Veranstaltungsort: Thalia Gaußstraße, Garage            
Perrudja, so nennen „die anderen“  den „Waldbesitzer“ in Hans Henny Jahnns sprachgewaltigem Roman (1929). Ohne Wissen um seine Herkunft, ausgestattet mit unerschöpflichen Geldbezügen, lebt Perrudja im Wald. Abgeschieden in der norwegischen Berglandschaft, erliest er sich die Welt aus Mythen und Geschichten. In seiner Einsamkeit vermischt sich ihm die Wahrnehmung der Umgebung, mit der seines Körpers, mit der seiner Phantasien und Wünsche. - Er verwirklicht den Plan einer monumentalen Architektur mitten im Wald. In die Stille der Bergdörfer bricht mit den Handwerkern und Arbeitern auch der Lärm der Welt. Perrudja, der Zurückgezogene, will die Welt zum Guten ändern. Er greift ein in die Geschicke seiner Umgebung und muss Verantwortund für sein Handeln tragen.
Der Hamburger Orgelbauer und Dichter Hans Henny Jahnn (geb. 1894 ), der lange Zeit im dänischen Exil auf Bornholm zubrachte, starb am 29. November 1959 in Hamburg.
Seinen frühen Roman ,Perrudja’ zeigen wir als Hörstück, in dem die kraftvolle, bildgewaltige Sprache Jahnns, gesprochen von Bibiana Beglau, auf die experimentellen Musik des Hamburger Komponisten Michael Maierhof trifft.