1984 – Das Jahr, in dem die Zukunft begann 

Wir blicken 30 Jahre zurück und sehen, wie die Erinnerung trügt. Waren die Achtziger nicht Jahre der Windstille, waren es nicht (bevor das annus mirabilis 1989 alles veränderte) Jahre eines verspielten Ausprobierens? Heute sehen wir, dass damals vieles begann, was unsere Kultur noch heute bestimmt.
1984 war das Jahr, in dem die Stuttgarter Staatsgalerie von James Stirling Furore machte. Kurz zuvor hatte Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ die literarische Szene verändert. Kurz danach waren „Das Parfüm“ von Patrick Süskind erschienen, die „Risikogesellschaft“ von Ulrich Beck und die „Neue Unübersichtlichkeit“ von Jürgen Habermas. Es hatte die legendäre Ausstellung über dekonstruktivistische Architektur in New York stattgefunden. Es war die Zeit, in der das Hamburger Filmbüro auf dem Höhepunkt seiner Arbeit war und namhafte Filmemacher zu produzieren begannen. Es war die Zeit, in der die Mediengesellschaft, wie wir sie kennen, ihren Ursprung nahm: 1984 startete das deutsche Privatfernsehen.
In ihrer Veranstaltungsreihe blickt die Freie Akademie zurück und fragt, was aus den damaligen Anfängen geworden ist. Und sie gedenkt ihres Mitglieds, des großen Komponisten Alfred Schnittke, der am 24. November 80 Jahre alt geworden wäre: Auch er ein Künstler, dessen Werk die klassische Trennung zwischen „les anciens et les modernes“ aufgehoben hat.

 

Folgende Veranstaltungen sind geplant:

 

Frank Otto, ©

Mittwoch, 8. Oktober 2014, 19 Uhr
Im Rahmen der Reihe 1984 - Das Jahr, in dem die Zukunft begann
"Trend oder Epoche? -
Was Sie in der Vergangenheit schon immer über die Zukunft wissen wollten"

von Frank Otto
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-

Frank Otto wird in seinem Vortrag anhand von Beispielen aus der Science-Fiction Literatur, dem Kunststreit der bildenden Künstler sowie den vielfältigen musikalischen Innovationen, der Mode und des Designs sowie der neuen Medien, aufzeigen, dass die Dinge nicht immer als das erscheinen, was sie sind. Was einst revolutionär anmutete, entpuppt sich heute als eine harmlose Zeiterscheinung und hinter einem lediglich unterschwellig wahrgenommenen Trend verbirgt sich vielleicht eine epochale Veränderung. Ohne zu verschleiern, dass „Big Brother“ eben nicht nur eine TV-Unterhaltungsshow ist, sondern ganz reale Entsprechungen hatte und haben wird, muss auch kurz globales angesprochen werden. Aber vor allem aus seiner ganz persönlichen Hamburger Sicht wird Frank Otto überraschende Erkenntnisse präsentieren und versuchen, Sie mit kritischem Verstand auf eine lebens- und liebenswerte Zukunft einzustimmen. Was auch immer Sie persönlich mit dem Jahr 1984 verbinden, in diesem Vortrag erfahren Sie Zusammenhänge, die Ihren eigenen Eindrücken eine besondere Bedeutung geben können und auch darüber hinaus jenes Jahr unvergesslich machen kann.

Frank Otto ist nach Michael Otto der zweitälteste Sohn von Werner Otto, dem Gründer des Otto-Versands. Frank Otto machte eine Ausbildung zum Restaurator für Papier und Grafik am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und studierte Bildende Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel in der Klasse von Harald Duwe. Danach war er als Musiker und Musikproduzent aktiv (u. a. in der Band City Nord). 1987 gründete er OK Radio, den zweiten Hamburger Privatradiosender (später Oldie 95, heute HH2) und ist dort bis heute Mehrheitsgesellschafter. 1993 war er Mitbegründer von VIVA. 1995 gründete er mit Hamburg 1 einen der ersten privaten regionalen Fernsehsender. Unter anderem ist er an den schleswig-holsteinischen Radiosendern delta radio und Radio NORA sowie Kiss FM (Berlin), Energy Sachsen und RauteMusik beteiligt.Von 1999 bis 2003 war er Herausgeber der Hamburger Morgenpost; mit Hans Barlach hatte Otto 1999 die City-Boulevard Beteiligungs GmbH und Co. KG gegründet. Auf der Expo 2005 in Aichi, Japan, wurde erstmals sein Musik- und Multimediaprojekt TRIP – Remix Your Experience vorgestellt. Seine hierfür gegründete Produktionsfirma Ferryhouse wurde 2007 zum Musik- und Filmlabel weiterentwickelt. Im gleichen Jahr stellte sich die von ihm mitbegründete Xounts AG als offizieller Partner der IFA dem Handel vor. Seit 2008 ist er an der Radiopark Gruppe beteiligt. Im darauf folgenden Frühjahr wurde von ihm die Untitled – Verlag und Agentur mitbegründet. Die Freilichtbühne Loreley wird von ihm mit Ulrich Lautenschläger seit 2010 wiederbelebt und ertüchtigt. Mit seiner Frau lebt Frank Otto in Hamburg auf der Uhlenhorst. Seit 1993 ist Frank Otto im Vorstand des Hamburger Presseclub aktiv. Etwa zur gleichen Zeit begann sein Engagement im Kuratorium von Hamburg Leuchtfeuer, wofür er im Jahre 2004 auch den Grundstein der Leuchtfeuer Stiftung legte. Er ist Mitinitiator des Beatles-Platz und im August 2008 ist er Mitbegründer der Stiftung Popkurs. Als erster Vorsitzender engagiert er sich bei Hamburg Hoch 11, als Beiratsmitglied für die Clubstiftung, die IHM Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft und im Ausschuss für Medien- und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg, als Gesellschafter in der gemeinnützigen GmbH Kunsthaus Hamburg, als Unterstützer beim Kultur Palast Hamburg und dem World Future Council, im Vorstand der Luca-Stiftung, sowie als Förderer der ersten Stunde bei Lesen ohne Atomstrom, millionways und Viva con Agua.


 

Jochen Hörisch , ©: privat

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 19 Uhr
Die erschöpfte Moderne.
Deutschsprachige Literatur nach 1984
Ein Vortrag von
Jochen Hörisch
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-

'Erschöpfung' ist ein doppeldeutiges Wort. Es bezeichnet erstens einen Zustand bedrohlicher Ermüdung, aber zweitens auch den Umstand, dass alle kombinatorischen Möglichkeiten eines Systems ausgeschöpft worden sind. Die deutschsprachige Literatur der letzten dreißig Jahre ist auf eine reizvolle Weise erschöpft. Sie hat sehr viel anzubieten, sie hat alle Möglichkeiten ausprobiert. Es dürfte kaum möglich sein, sie unter einem Epochenoberbegriff wie Klassik, Romantik oder Expressionismus zu fassen. Die spezifisch spätmoderne Literaturkonstellation um das Jahr 2000 herum ist aber auch deshalb so komplex, weil sich die alte Buchliteratur den Herausforderungen neuer Kommunikationstechnologien und neuer Internet-Medienkonkurrenz ausgesetzt sieht. Zur Diskussion steht deshalb auch, wie zeitgemäß das alte Medium der schönen Buch-Literatur überhaupt noch sein kann.

Jochen Hörisch wurde 1951 in Bad Oldesloe geboren, ist seit 1975 verheiratet und hat drei Kinder. 1970-76 Studium von Germanistik, Philosophie und Geschichte in Düsseldorf, Paris und Heidelberg. Nach der Promotion 1976-88 Assistent bzw. nach der Habilitation (1982) Privatdozent und Professor (C 2) an der Universität Düsseldorf. Seit 1988 Ordinarius für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim. Ruf an die University of Virginia in Charlottesville (USA) im Jahr 2000 und Ruf auf den Lehrstuhl "Medientheorien" an der HU Berlin abgelehnt (2002). Längere Gastprofessuren 1986 an der Universität Klagenfurt, 1993 am CIPH und der ENS in Paris, 1996 in Charlottesville (USA/Virginia), 1999 in Princeton (USA), 2002 in Bloomington (USA/Indiana); Kurzzeitdozenturen 2003 in Buenos Aires, 2006 an der EPHE in Paris, 2007 an der Marmara Universität in Istanbul, 2012 an der Universität St. Gallen; Vorträge (häufig auf Einladung des Goethe-Instituts bzw. des DAAD) u.a. in Frankreich (wiederholt ab 1979), Italien (1982, 1984, 2000, 2008), Großbritannien (Cambridge 1985, 2005, London 2013), USA und Kanada (1989, 1991, 1993, 1995, 2000, 2003, 2006, 2013), Niederlande (1987, 2009, 2010, 2012), Japan (1994, 1998, 2005), Marokko (1995), Bulgarien (1997), Indien (1998), Spanien (1998), Litauen (1999), Türkei (1999, 2007), Dänemark (1994, 2000, 2003, 2005), Österreich (1998, 2000, 2007, 2008, 2010, 2013), Israel (2001, 2006, 2007, 2008, 2010), Portugal (2002, 2003, 2005), Brasilien und Argentinien (2003, 2005), Irland (2005), Korea (2005), Schweiz (ab 1985 wiederholt), Slowakei (2006), Tschechien (2009), China (2009), Südafrika (2012). Mitglied der europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste in Salzburg, der Freien Akademie der Künste in Mannheim und der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Preise: Heynen-Preis der Stadt Düsseldorf 1988 (DM 10000); Reimers-Preis der Aby-Warburg Stiftung Hamburg 1999 (DM 10000), zweijähriges Stipendium der VW-Stiftung „Pro Geisteswissenschaften / Opus magnum“ (Freistellung von Lehr -und Prüfungsverpflichtungen von Herbst 2006-2008); Fellow im Forschungsprojekt des Zentrums für Religion, Wirtschaft, Politik (ZRWP - Collegium Helveticum) in Basel über „Ökonomie und Religion“ (2010/2011).
Veröffentlichungen u.a.: Die fröhliche Wissenschaft der Poesie (über frühromantische Poetologie). Ffm (Suhrkamp) 1976; Materialien zur Sprachlosigkeit des Kaspar Hauser. Ffm (Suhrkamp) 1979; Gott, Geld und Glück (über Bildungsromane). Ffm (Suhrkamp) 1983; Das Tier, das es nicht gibt (über Einhörner). Nördlingen (Greno) 1986; Die Wut des Verstehens - Zur Kritik der Hermeneutik. Ffm (Suhrkamp) 1988; Die andere Goethezeit. München (Fink) 1992; Brot und Wein - Die Poesie des Abendmahls. Ffm (Suhrkamp) 1992; Kopf oder Zahl - Die Poesie des Geldes. Ffm (Suhrkamp) 1996; Das Ende der Vorstellung – Die Poesie der Medien. Ffm (Suhrkamp) 1999; Der Sinn und die Sinne - Eine Geschichte der Medien. Ffm (Eichborn, Andere Bibliothek) 2001; Es gibt (k)ein richtiges Leben im falschen. Ffm (Suhrkamp) 2003; Gott, Geld, Medien. Ffm (Suhrkamp) 2004; Theorie-Apotheke – Eine Handreichung zu den humanwissenschaftlichen Theorien der letzten fünfzig Jahre, einschließlich ihrer Risiken und Nebenwirkungen. Ffm (Eichborn, Andere Bibliothek) 2004; Die ungeliebte Universität – Rettet die Alma mater. München (Hanser) 2006; Das Wissen der Literatur. München (Fink) 2007; Vorletzte Fragen. Stuttgart (Omega Verlag) 2007. Bedeutsamkeit – Über den Zusammenhang von Sinn, Zeit und Medien. München (Hanser) 2009; Der Takt der Neuzeit – Die Schwellenjahre der Geschichte. Stuttgart (Omega Verlag) 2009; Tauschen, Sprechen, Begehren – Eine Kritik der unreinen Vernunft. München (Hanser) 2011; Man muss dran glauben – Die Theologie der Märkte. München (Fink) 2013. Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehsendungen zu kultur- und medienanalytischen Themen.


 

Donnerstag, 23. Oktober 2014, 18 Uhr
In Kooperation mit dem Lokalsender TIDE und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
Im Rahmen der Reihe "1984 - Das Jahr, in dem die Zukunft begann."
Eröffnung der Ausstellung
Filmkunst kabinett.
Filmischer Aufbruch in Hamburg.
Zehn Werkinterviews mit Hamburger Filmemacher_innen.
Mit: Ulrich Greiner (Präsident der Freien Akademie der Künste), Claudia Willke (TIDE-Chefredakteurin und Initiatorin der Reihe Werkinterview FilmKunst), Eva Hubert (Geschäftsführerin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein), Christian Bau (Vorsitzender der Sektion Medien der Freien Akademie der Künste), *durbahn (Künstlerin und Archivarin)
Geöffnet bis 9. November 2014, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr
Eintritt zur Eröffnung frei, danach 5,- / erm. 3,-

Gefördert durch die Kulturbehörde Hamburg, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und avt plus media service.

Zehn Werkinterviews mit bekannten und weniger bekannten, legendären und aufregenden Filmemacher_innen, die das künstlerische Filmgeschehen in Hamburg seit den siebziger Jahren maßgeblich beeinflusst haben, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung FILMKUNST-KABINETT. Die Werkinterviews entstanden im Rahmen eines Ausbildungsprojektes des Communitysenders TIDE. Die Fernsehsendereihe ist seit März 2014 auf TIDE.tv und im  Metropolis-Kino mit einem ausgewählten filmischen Begleitprogramm der Filmemacher_innen zu sehen.
Aufgrund der besonderen Förder- und Produktionsbedingungen in Hamburg Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre konnte sich die Hansestadt neben Oberhausen zum wichtigsten kreativen Biotop für  Filmemacher_innen aller Genres  entwickeln. Das Filmkunst Kabinett wird alle Werkinterviews sowie ausgewählte Werke der Filmemacher gebündelt präsentieren, sie mit einer ausführlichen Begleitbroschüre zeitgeschichtlich und ästhetisch verorten und damit einen wichtigen, wenn auch lange nicht vollständigen Einblick in diese Zeit des filmisch-künstlerischen Aufbruchs geben.


 

Cover des Katalog zur Ausstellung
"Revision der Moderne. Postmoderne Architektur 1960-1980."
des Deutschen Architektur Museums, Frankfurt am Main, 1984.

Montag, 24. November 2014, 19 Uhr
1984: Architektur in Hamburg -
Resistenz oder Ignoranz?

Hanseatische Antworten auf
die Revision der Moderne.

Es sprechen:
Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt:
"Alles Revisionisten? Der K(r)ampf um die postmoderne Architektur in Deutschland"
Gert Kähler, Architekturhistoriker, Hamburg: "Kam die Postmoderne nur bis Lüneburg?"
Ein Rückblick auf das Hamburger Architekturgeschehen Mitte der 80er Jahre
Jan Störmer, Bernhard Winking und Günter Wilkens zeigen Bauten aus der Zeit.
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-


Revision der Moderne: In den 6oer Jahren wurde die Kritik an der klassischen Architekturmoderne nicht nur in den Fachkreisen der Planer selbst schärfer, sondern sie entwickelte sich mehr und mehr zu einem öffentlichen Diskussionsthema. Autoren wie Jane Jacobs in den USA oder Alexander Mitscherlich in Deutschland geißelten die „Unwirtlichkeit der Städte“ und der einst so gepriesene Internationale Stil wurde nun als geradezu stadtzerstörerische Plage des sogenannten Bauwirtschaftsfunktionalismus wahrgenommen, der überall nur die gleichen banalen Kisten absetzte, ohne Rücksicht auf gewachsene Stadtstrukturen. Das Neue war nämlich aus dieser altmodernen Sicht prinzipiell immer besser als das Alte, so dass es im Sinne einer tabula rasa Mentalität auch keinerlei Hemmungen gab, ganze historische Stadtviertel dem Boden gleichzumachen, um eine „Totalsanierung“ durchzuführen. Das wurde natürlich als Akt des Fortschritts gesehen. Doch die gesellschaftliche Stimmung schlug um. Der Massenwohnungsbau mit seinen „Wohnmaschinen“ wurde zunehmend als steril und anti-urban abgelehnt. Und ab Ende der 6oer Jahre nahmen die Proteste gegen den Abriss vorhandener Gebäude immer mehr zu. Angesichts gewaltiger Verkehrsinfrastrukturprojekte wurde von der Ermordung der Stadt gesprochen. Das Glücksversprechen der Moderne schien gebrochen. Im Jahre 1977 sprach dann der Architekturtheoretiker Charles Jencks vom Tod der modernen Architektur und er konnte diesen Tod sogar auf den Tag genau datieren: am 15.Juli 1972 wurden nämlich in St.Louis mehrere Wohnhochhäuser aus den 50er Jahren in die Luft gesprengt, weil sie technisch und sozial nichts anderes als nur noch Ruinen darstellten. Für Jencks war dies zur gleichen Zeit die Geburt der Postmoderne in der Architektur, die sich in den 70er und 8oer Jahren sowohl zu einer Haltung, aber auch zu einem Stil entwickelte. Dabei ging es nicht zuletzt um eine Aufhebung der modernen Tabuisierung alles dessen, was historisch vor der Moderne lag, allgemeiner: nicht-modern war. Das verband sich grundsätzlich mit der Infragestellung des geistigen Monopolanspruchs der Moderne. So machte nun der Begriff des Pluralismus die Runde. Es war auch die Rede von Komplexität und Mischung, von Collage und sogar der Zulassung von Widersprüchen und Heterogenitäten anstelle von Purismus und Einheitlichkeit. Stilistisch prägte sich das in einer Durchmischung von Formen aus, die auch verschiedenen historischen Architektursprachen Zitate entnahm und diese spielerisch zusammenstellte – häufig auch mit einem gehörigen Schuß Ironie.

Die Architektur durfte sich jetzt wieder ihrer eigenen Geschichte zuwenden und sich im formalen Repertoire der Vergangenheit bedienen, ohne sich sofort dem Verdacht auszusetzen, rückwärtsgewandt oder nostalgisch zu sein – eben unmodern. Das Verhältnis von alt und neu wurde nun anders bewertet. Überhaupt wurden die Konzepte der Moderne nicht mehr automatisch mit dem Fortschrittlichen identifiziert. Die Postmoderne fand nämlich keineswegs nur in der Architektur oder den Künsten statt. Das postmoderne Denken verstand sich in einem umfassenden soziokulturellen Sinn als eine Zäsur, die der französische Philosoph Francois Lyotard auf die bekannte Formel brachte: das Ende der großen Erzählungen.

Im Jahr 1984 feierte die architektonische Postmoderne in Deutschland eine Art Höhepunkt. In diesem Jahr wurde in Frankfurt das Deutsche Architekturmuseum eröffnet und Heinrich Klotz, Gründungsdirektor des DAM, rief zur Revision der Moderne auf. Gleichzeitig wurde in Stuttgart die Staatsgalerie von James Sterling fertiggestellt, der wahrscheinlich bis heute wichtigste postmoderne Bau auf deutschem Boden. Und in Berlin begann unter dem Motto „Kritische Rekonstruktion“ eine Internationale Bauausstellung, die sich explizit vom Städtebau der Moderne abwandte und eine Rückkehr zum Blockrand und zur „europäischen Stadt“ propagierte. So fand die Revision der Moderne sowohl in der Architektur als auch im Städtebau statt.

Wir wollen nun fragen: Wurde diese Strömung im Hamburg der 80er Jahre überhaupt wahrgenommen und fand sie einen baulich nachweisbaren Niederschlag? Gibt es postmoderne Architektur in Hamburg ? Aber abgesehen von Stilfragen: Hielten Hamburger Architekten eine Revision der Moderne denn überhaupt für nötig? Oder war Hamburg mit Fritz Schumacher eigentlich immer schon postmodern? Darüber wollen wir diskutieren.


 

Alfred Schnittke, ©: Mara Eggert

Montag, 1. Dezember 2014, 19 Uhr
In Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
"Geschichtliche Polyphonie"
1984 - als Alfred Schnittke 50 wurde...

Ein Festkonzert zu seinem 80. Geburtstag
Ehrengast: Irina Schnittke
Mitwirkende: Professoren und Studierende Der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Programmkonzeption: Stepan Simonian und Ivan Rudin
Moderation: Elmar Lampson
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-

Vieles, was wir mit dem Jahr 1984 verbinden, konzentriert sich im Werk Alfred Schnittkes.
Zunächst ist es ein sympolisches Spiel mit Zahlen: am 24. November 2014 wäre er 80 Jahre alt geworden, vor dreißig Jahren, also 1984, feierte er seinen 50. Geburtstag. Damals stand er in der Mitte seines schöpferischen Lebens und hat in diesem Jahr seine vierte Symphonie geschrieben, in der er nicht nur verschiedene musikalische Stilepochen zusammenschaut sondern auch vier große Glaubensströmungen (orthodox, katholisch, protestantisch, jüdisch) aufeinander bezieht. Bereits im Jahr 1984 wird sein besonderes Verhältnis zur Musikgeschichte deutlich, die für ihn ein Tableau ist, in dem das Verschiedene nebeneinander steht, ineinander übergeht und zusammengeschaut werden kann.
Als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart hat Alfred Schnittke wichtige Jahre seines Leben in Hamburg verbracht. Er war hier Ehrenmitglied und Träger der Plakette der Freien Akademie der Künste. Als Professor für Komposition hat er an der Hochschule für Musik und Theater gelehrt, und viele bedeutende Werke sind in Hamburg entstanden. Unvergessen ist die Zusammenarbeit zwischen Alfred Schnittke und John Neumeier und die Uraufführung des Peer Gynt-Balletts. So verbindet die Festveranstaltung einen inhaltlich-musikalischen Beitrag zu unserer Reihe „1984“ mit der Ehrung des Großen Komponisten Alfred Schnittke.

Programm:

Preludio im memoriam Dmitri Schostakowitsch - für Violine und Tonband, 1975, 5‘

Hommage à Strawinski, Prokofjew und Schostakowitsch für Klavier zu 6 Händen – 1978, 10‘

A Paganini - für Violine solo, 1982, 12’

Prof. Elmar Lampson „Geschichtliche Polyphonie – Alfred Schnittke und das Jahr 1984“

Pause

Moz-Art - Duo a la Haydn (nach dem Fragment KV 416d) Version für 8 Flöten und Harfe, 1990, 14‘

Epilog zu "Peer Gynt" - Fassung für Violoncello, Klavier und Tonband, 1993, 25‘


Das Gesamtprogramm als pdf:


Klosterwall 23,
20095 Hamburg, U1-Steinstraße,
Ausgang Markthalle,
www.fadk.de

Die Reihe wird gefördert durch die
Kulturbehörde Hamburg