Dienstag, 6. Mai 2008, 19.30 Uhr
Von Kästner bis Enzensberger
HANJO KESTING liest aus seinem neuen Buch
"Ein Blatt vom Machandelbaum"
Über deutsche Autoren vor und nach 1945
Eintritt: 6,- / erm. 4,-


Wenn Hanjo Kesting auf einen Autor zurück blickt, dann spricht er nicht nur über dessen Werk, sondern stellt uns immer auch den Menschen vor, der hinter diesem Werk steht. Er vermag es, der Zeit und den Bedingungen eines Lebens und eines Werks Kontur und Atmosphäre zu geben, nicht zuletzt aufgrund persönlicher Begegnungen und Arbeitszusammenhänge.
Mehrere Autorengenerationen nimmt Kesting in seinem neuen Buch in den Blick: diejenige, der etwa Erich Kästner und Carl Zuckmayer angehörten, die schon zwischen den Weltkriegen bedeutende Schriftsteller waren; als »verspätete Generation« bezeichnet er die Autoren, die nach 1945 schon nicht mehr ganz jung zu schreiben begann bzw. wegen der Zeitumstände erst dann literarisch sichtbar wurde, wie Alfred Andersch und Heinrich Böll; die »Gründerfiguren« wurden zuerst in der Gruppe 47 oder später in anderem Kontext sichtbar: Siegfried Lenz, Günter Grass, Walter Kempowski, Peter Rühmkorf oder Hans Magnus Enzensberger.
Das Leitmotiv des Buches ist einem Märchen der Brüder Grimm, »Von dem Machandelbaum«, entnommen, das von verdrängter Schuld handelt. Viele Autoren von Brecht über Paul Celan bis zu Hans Magnus Enzensberger haben es aufgegriffen und thematisch weitergeführt.


Hanjo Kesting, geb. 1943, Studium der Philosophie, Geschichte und Literatur in Köln, Tübingen und Hamburg.
Seit 1969 beim Norddeutschen Rundfunk. Von 1973 bis 2006 Leiter der Redaktion Kulturelles Wort.
Gründete 1977 die Reihe Autoren lesen, 1981 das Kulturjournal Texte und Zeichen. Zuletzt erschienene Bücher: "Theodor Fontane. Bürgerlichkeit und Lebensmusik", Göttingen 1998 und "Nachlese. Essays zur Literatur", Göttingen 2000. Seit 11.12.1995 Mitglied der Freien Akademie der Künste. Publikationen zur Literatur und Musik: "Dichter ohne Vaterland" (1982); "Richard Wagner: Briefe" (Hrsg., 1983); "Franz Liszt - Richard Wagner: Briefwechsel" (Hrsg., 1988); "Das schlechte Gewissen an der Musik." Aufsätze zu Richard Wagner (1991); "Das Pump-Genie. Richard Wagner und das Geld" (1993). Anthologien zur russischen und englischen Literatur. Herausgeber der Hörbücher der Deutschen Grammophon.