Montag, 5. Februar 2007, 19.30 Uhr
In Kooperation mit der Hamburger Autorenvereinigung
Günter Kunert

Der alte Mann spricht mit seiner Seele

Lesung aus seinem neuen Buch
Eintritt: € 8,00 / erm. € 5,00

'Was immer er anschaut, kann zum Gedicht werden' schrieb einst die FAZ. Günter Kunert gilt seit langem als einer der wichtigsten Lyriker deutscher Sprache.
Nun hat er ein Buch mit Miniaturen geschrieben, stets beginnend mit den drei Worten »Der alte Mann«, in denen er sich in einem hintergründigen, oft heiter-selbstironischen Ton über die Schulter schaut. »Der alte Mann« zieht Bilanz, er blickt naturgemäß eher zurück als nach vorn, wehmütig zuweilen, weil die Kräfte nachlassen, mit denen der Alltag gemeistert werden muß. Von vielem heißt es Abschiednehmen. Das Treppensteigen fällt schwerer als früher, aber auch die Rolltreppen im Kaufhaus haben ihre Tücken, und beim Bezahlen läßt sich das Kleingeld nicht mehr so leicht aus dem Portemonnaie abzählen. Daß manche Wahrnehmungen blasser werden, ist betrüblich ­ allerdings nicht nur, denkt man an die Zumutungen unserer Gegenwart. Nicht wenige Probleme werden andere lösen müssen.
Die Abenteuer finden im Kopf statt, und immer größeren Raum nehmen Erinnerungen ein, die mit den Sehnsüchten und Träumen in einen Schwebezustand gebracht werden, in dem sich Protest und Einverständnis mit dem Unabwendbaren die Waage halten. In dieser Spannung bewegen sich Kunerts »Gespräche«.

Günter Kunert wurde 1929 in Berlin geboren. Er studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin. 1947 veröffentlichte er erste satirische Gedichte und Kurzgeschichten. Er wurde beeinflusst von J. R. Becher und B. Brecht, den er Anfang der Fünfzigerjahre kennenlernte. Entdeckt wurde Günter Kunert Ende von Bertolt Brecht und Johannes R. Becher. In den Sechziger- und Siebzigerjahren gehörte er in der DDR zu den erfolgreichsten Künstlern. Auf Kino- und Fernsehfilmen, Radio-Features und Dokumentationen, aber vor allem auf Romanen, Erzählungen, Lyrik und Essays liegt das Hauptgewicht seines Schaffens. Er beschrieb u.a. die Spannungen und Konflikte innerhalb der realsozialistischen Gesellschaft und bekam in den sechziger Jahren zunehmend Schwierigkeiten mit dem Regime. 1979 siedelte er nach Westdeutschland über. Seit 1981 ist er Mitglied der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Heute lebt der Schriftsteller bei Itzehoe. Günter Kunert veröffentlichte u.a. Gedichtbände, Romane, Essays, Erzählungen, Kinderbücher, Reise-Feuilletons: Unter diesem Himmel (1955) Im Namen der Hüte (1967) Unterwegs nach Utopia (1977) Diesseits des Erinnerns (1982) Der Sturz vom Sockel, Feststellungen und Widersprüche (1991) Erwachsenenspiele (1997).