Dienstag, 3. Juni 2003, 19.30 Uhr


GYÖRGY LIGETI
zum 80. Geburtstag

Eintritt: € 15,00 / erm. € 10,00
gefördert durch die Zeit-Siftung Ebelin und Gerd Bucerius


Arditti String Quartet:

Irvine Arditti - Violine
Graeme Jennings - Violine
Ralf Ehlers - Viola
Rohan de Saram - Violoncello

 

Am 28. Mai 2003 feiert György Ligeti seinen 80. Geburtstag.
Die Freie Akademie der Künste in Hamburg nimmt diesen runden Geburtstag zum Anlass, das Schaffen ihres langjährigen Ehrenmitglieds mit einem aussergewöhnlichen Konzert zu würdigen:
Das Londoner Arditti Quartett wird die ersten beiden Streichquartette des Meisters zu Aufführung bringen und darüber hinaus Werke der von Ligeti hochgeschätzten György Kurtág ('Officium Breve') und Béla Bartók (Streichquartett No. 4) interpretieren.

Als besonderes Bonbon ist die Uraufführung von György Kurtágs Widmungskomposition A message-in-bottle to Ligeti 80 vorgesehen.

 

György Ligeti

wurde als Sohn jüdischer Ungarn am 28. Mai 1923 in Dicsöszentmárton geboren. 1929 siedelte die Familie nach Cluj (deutsch: Klausenburg) über, der zweitgrößten Stadt Rumäniens. Hier besuchte Ligeti die Volksschule und später das Gymnasium, und hier erlebte er seine ersten Opernaufführungen. Im Alter von etwa acht Jahren hatte er seine ersten Konzerterlebnisse.
Ab dem 14. Lebensjahr bekam Ligeti Klavierunterricht. Hier machte er schnell Fortschritte und fing nach wenigen Wochen zu komponieren an. Seine erste Komposition war ein Walzer in a-Moll im Stil von Edvard Grieg. Mit 15 Jahren schrieb er ein Streichquartett und mit 16 komponierte er eine Sinfonie. Zwei Jahre lang Mitwirkung als Pauker in einem Amateurorchester.
1941 Studium von Harmonielehre und Kontrapunkt am Klausenburger Konservatorium. Daneben lernte er Cello und Orgel spielen. 1942/43 jeweils im Sommer privater Kompositionsunterricht bei Pál Kadosa in Budapest. Nach Beendigung des Krieges, noch im Sommer 1945, ließ sich Ligeti in Budapest nieder. Hier zunächst Studium von Kontrapunkt und Fuge, dann Instrumentation und freie Komposition.
1949 Examen an der Musikhochschule, danach längere Reise durch Rumänien, um - nach Bartóks und Kodálys Vorbild - die Volksmusik zu erforschen. Bearbeitung ungarischer und rumänischer Volkslieder für alle möglichen Besetzungen. Von 1950 bis 1956 wirkte György Ligeti als Dozent für Harmonielehre, Kontrapunkt und Formanalyse an der Budapester Musikhochschule.
Im Dezember 1956 illegale Ausreise nach Österreich mit seiner Frau Vera. Intensive Kontakte zu Herbert Eimert und Karlheinz Stockhausen, anderthalbjähriger Aufenthalt in Köln bei Stockhausen. Zusammenarbeit mit Gottfried Michael König im Studio für Elektronische Musik Köln. Ab 1959 war er mehrfach Dozent bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt.
Internationaler Durchbruch mit den Uraufführungen von Apparitions (Juni 1960) und Atmosphères (Oktober 1961). Mit diesen und seinen nächsten Werken rückte Ligeti in die vorderste Reihe der zeitgenössischen Komponisten.
1973 Berufung als Professor für Komposition an die Staatliche Hochschule für Musik in Hamburg. Viele Auszeichnungen, u. a. Träger des Großen Österreichischen Staatspreises oder des Prämium Imperiale (Tokio), Mitglied des Ordens Pour le Mérite. Nach seiner Emeritierung im Jahre 1989 lebt Ligeti abwechselnd in Hamburg und in Wien.


Arditti Quartett:
Irvine Arditti, Graeme Jennings (Violinen), Ralf Ehlers (Viola), Rohan de Saram (Violoncello)

Das Arditti Quartett genießt weltweit einen herausragenden Ruf für ihre lebendigen und technisch raffinierten Interpretationen der zeitgenössischen Musik und der des frühen 20ten Jahrhunderts. Seit der Gründung des Quartetts 1974 durch den 1. Geiger Irvine Arditti sind einige hundert Streichquartette für das Ensemble komponiert worden. Diese Werke sind aus dem Repertoire der Musik des 20. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken und geben dem Arditti Quartett einen festen Platz in der Musikgeschichte. Uraufführungen der Streichquartette von Komponisten wie Birtwistle, Cage, Carter, Dillon, Ferneyhough, Gubaidulina, Kagel, Kurtag, Ligeti, Nancarrow, Rihm, Stockhausen und Xenakis zeigen die Bandbreite des Repertoires des Arditti Quartetts.

Das Ensemble ist überzeugt davon, daß eine enge Zusammenarbeit mit den Komponisten unerläßlich für die Interpretation moderner Musik ist. Deshalb versuchen sie, mit jedem Komponisten, dessen Werk sie spielen, zusammenzuarbeiten. Das pädagogische Interesse der Musiker zeigt sich in ihren Meisterklassen und Workshops für junge Künstler und Komponisten in der ganzen Welt. Von 1982 bis 1996 unterrichtete das Quartett an den "Darmstädter Sommerkursen für Neue Musik".

Die Discographie des Arditti Quartetts umfaßt mehr als 100 CDs. 36 Aufnahmen sind allein bei dem französischen Label Montaigne Auvidis erschienen. Diese Serie präsentiert eine Reihe zeitgenössischer Komponisten und die erste Digitalaufnahme aller Streichquartette aus der zweiten Wiener Schule. Auf der zuletzt erschienenen CD ist Stockhausens berüchtigtes Helicopter Quartet zu hören.

In den letzten 25 Jahren hat das Quartett zahlreiche Preise erhalten; darunter den Ernst von Siemens Preis (Juni 1999). Für die CD mit Werken von Elliot Carter erhielten sie den Gramophone Award (Oktober 1999) als beste Aufnahme zeitgenössischer Musik.

Foto: Tony Hutchings

 

PROGRAMM:


Béla Bartók:
Streichquartett Nr. 4

György Ligeti:
Streichquartett Nr. 1
"Métamorphoses nocturnes"


- Pause -


György Kurtág:
Officium Breve · A message-in-bottle to Ligeti 80 (UA)

György Ligeti:
Streichquartett Nr. 2