Elisabeth Wagner – hinten links ist Schimmer | Ausstellung im Gerhard Marcks Haus Bremen

Ausstellung

Elisabeth Wagner

“Hinten links ist Schimmer” | im Gerhard Marcks Haus Bremen

8. November 2021 bis 13. Februar 2022

Sie tauchen buchstäblich auf, wie aus dem Wasser, von Dunkelheit umgeben, von
einzelnen künstlichen Spots beleuchtet: Gesichter aus der Malereigeschichte, in Büsten verwandelt. Etwa kniehoch erwarten sie die Betrachtenden zu einem Blicktausch mit ungewöhnlichem Neigungswinkel. Darunter Maria nach Fouquet, „sehr fein, weiß, kalkig, fern“. Materialität und Fassung der Skulpturen spielen mit Anmutungen und Erwartungen.

Wie verändert sich das malerische Porträt in der Dreidimensionalität? Wovon sprechen
Körperlichkeit und Stofflichkeit? Elisabeth Wagner fragt nach der Person vor der
Porträtwerdung und nach deren Persönlichkeit im Porträt. Welche Signale haben die Maler aus der Modellsitzung aufgegriffen? Eröffnet die Übertragung in die plastische Sprache eine andere Art der Verkörperung? Die Künstlerin schaut auf die Konstruktion des Bildnisses durch unseren Blick und durch die Medien. Von der Malerei in die Skulptur und über Fotografien der Büsten wieder zurück in die Fläche. Schaffen die Porträtierten es über die Repräsentation zu Präsenz und ins Präsens. Holt sie unser Echo auf ihre Augen und ihren Ausdruck aus der Tiefe der Zeit?

„Falsche Freunde“ nennt die Hamburger Bildhauerin ihre Werkreihe von Büsten, die einen Raum des Bremer Gerhard Marcks Hauses füllt. Wer diesen Raum betritt, hat bereits die hohe Empfangshalle passiert. Wagner bestückt sie mit einer visuell offensiven Schrift-Zeichen-Arbeit. Diese gibt sich wie eine Verheißung, ohne zu offenbaren, was die Eintretenden erwartet. Ein hintersinniges Spiel mit der Raumsprache und Funktion des Foyers. Der subtile Umgang mit der Ausstellungsarchitektur ist integraler Bestandteil von Wagners Auftritten. Jeden Raum nimmt sie einzeln in den Blick, arbeitet mit Kontrasten und Korrespondenzen und schafft so Orte für ihr vielgestaltiges Werk.

Figuration wie in den „falschen Freunden“ oder Abstraktion wie in Resonanzen auf
Brancusi. Drahtkuben, die in einer Aura des Schimmerns eher Leere und Auflösung
zuneigen als einer physischen Gegenwart. Mantelformen, die von Hülle und Verborgenheit sprechen. Vasen als Archetypen funktionaler Gefäße aber auch metaphorischer Behältnisse. Eingebettet in ein Sammelsurium verschiedenster Materialien, von Güssen und Abgüssen, Zwei- und Dreidimensionalität, von Objekten aus dem Baumarkt, die in die ästhetische Liga aufsteigen. Der Strang in dieser Streuung ist die Frage nach dem Bild und dem Bildlichen. Woraus speist es sich und wie wirkt es? Die Bildhauerin lenkt unseren Blick auf die Signale von Form und Zeichen in deren Beziehung zu Raum und Medium.

Sie umspielt auf der Basis hoher Reflektiertheit in sinnlicher Weise die Verhältnisse von
Bild und Abbild, Repräsentation und Präsenz. Dabei thematisiert sie die Physis als Portal zur Psyche, die Körperlichkeit der Bildhauerei als Strategie einer symbolischen
Verkörperung. Elisabeth Wagner übt Kunst als Befragung aus, in einer Stringenz und
Präzision, die Antworten nachrangig werden lässt.

Abbildungen: Plakat zur Ausstellung (Gerhard Marcks Haus Bremen | Elisabeth Wagner, Zwei, 2021, Pappe, bemalt)