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  Hark Bohm im Alter von 86 Jahren verstorben

Wir trauern um Hark Bohm

Wir trauern um unser Mitglied Hark Bohm. Der Filmemacher, Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler, der u.a. 2019 mit der höchsten Auszeichnung der Akademie, der Plakette, ausgezeichnet wurde, ist am 14. November 2025 im Alter von 86 Jahren  in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben.

Kleiner persönlicher Nachruf auf Hark Bohm
von Ruth Toma
Hark Bohm war längst Legende, als ich mich 1992 bei dem neu gegründeten Aufbaustudiengang Film an der Universität Hamburg bewarb. Ich mochte Harks Filme. Sie waren unterhaltsam, ohne jemals ihr ernstes Anliegen aus den Augen zu verlieren. Das war auch das Mantra, das den neuen Studiengang bestimmte. Was immer wir erzählen wollen, wie schaffen wir es, das Publikum mitzunehmen?
Hark Bohm hatte das Aufbaustudium Film mit Kraft und Schwung erfunden und durchgesetzt und startete nun mit nur zehn Student*innen, je fünf für Regie und Drehbuch. In diesen exklusiven Kreis wurde ich aufgenommen. Ich war damals schon Mitte dreißig, hatte erst Bildende Kunst studiert und war dann lange mit einer Theatergruppe unterwegs, bis ich schließlich anfing, Drehbücher zu schreiben.
Das Studium stellte ich mir ungefähr so vor, dass ich mir vormittags Interessantes über das Drehbuch­schreiben erzählen lasse und ansonsten mit meinen Projekten weitermache. Da hatte ich aber nicht mit Hark Bohm gerechnet. Er beschäftigte uns Vollzeit, ließ anrufen, wenn jemand wagte nicht aufzutauchen, und schüttete uns dermaßen zu mit Theorie und praktischen Übungen, dass für nichts Anderes Zeit blieb. Bei Veranstaltungen von anderen Lehrern schrieb er selbst am eifrigsten mit. Es erweckte fast den Eindruck, als habe er das Studium vor allem zu seinem eigenen Vergnügen gegründet. Lernen war ihm ebenso wichtig wie lehren.
Er nahm unsere Drehbücher und Übungsfilme gnadenlos auseinander und provozierte damit bei uns Student*innen je nach Persönlich­keit wahlweise Tränen- oder Wutausbrüche. Es gibt eine legendäre Szene, in der ein Student einen Stuhl nach Hark warf. Es war kein Vergnügen, sich mit seiner Kritik auseinanderzusetzen, aber meistens half es.
Nach meinem Studium sind Hark und ich uns noch oft begegnet, bei vielen Gelegenheiten und als einander wertschätzende Kollegen und wir haben uns beide immer über diese Begegnungen gefreut. Er war einer der Großen, von denen man irgendwie annimmt, sie werden immer da sein. Jetzt ist er es nicht mehr, und das ist ein großer Verlust.

Ruth Toma ist Drehbuchautorin und seit 2020 Mitglied in der Sektion Medien der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
©  FAdK