in gedenken an Christa Biederbick
Am 12.4.2026 ist unser Mitglied Christa Biederbick verstorben.
Ein Nachruf
Christa Biederbick ist von uns gegangen. Wir trauen um eine hervorragende Bildhauerin und ein langjähriges Mitglied. Seit den 90er Jahren lebte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer Karlheinz Biederbick im Künstlerdorf Bahnitz/ Milower Land. Ihm und seiner Familie gilt unser aufrichtiges Beileid.
Geboren am 17. Dezember 1940 in Balve in Westfalen, zählt Christa Biedebick zu den bedeutenden Vertreterinnen der figurativen Bildhauerei in Deutschland nach 1945 und war eine prägende Figur des Neuen Realismus. Ihr künstlerischer Werdegang begann mit einem Grafikstudium an Werkkunstschulen in Dortmund und Münster von 1958 bis 1962. Anschließend studierte sie Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin, wo sie 1969 zur Meisterschülerin von Herrmann Bachmann ernannt wurde. Im selben Jahr nahm sie ihre Tätigkeit als freischaffende Künstlerin auf.
Ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere war die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe „Zebra“, der sie ab 1976 angehörte. Diese Gruppe setzte sich für eine neue Form des Realismus in der Kunst ein. 1977 erhielt Biederbick ein renommiertes Stipendium der Villa Massimo in Rom. Später übernahm sie eine Professur für Bildhauerei an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz, wo sie ab 1991 tätig war und zahlreiche Studierende ausbildete.
Im Zentrum von Biederbicks Werk steht der Mensch. Ihre Skulpturen zeigen häufig Alltagssituationen und zwischenmenschliche Beziehungen und greifen dabei auch gesellschaftliche und politische Themen auf. Charakteristisch für ihre Arbeiten ist eine realistische, oft lebensnahe Darstellung von Figuren, die zugleich eine subtile Verfremdung oder Überzeichnung enthalten kann. Dabei untersuchte sie insbesondere Körpersprache und Ausdruck, wodurch ihre Figuren eine starke emotionale Präsenz entwickeln.
Ein wesentliches Merkmal ihrer Kunst ist die Verwendung ungewöhnlicher Materialien. Neben klassischen Werkstoffen wie Bronze, Holz oder Terrakotta arbeitete sie besonders häufig mit farbig gefasstem Polyester. Diese Materialwahl brachte ihr die Einordnung in die Gruppe der sogenannten „Polyester-Realisten“ ein, die traditionelle Bildhauerei bewusst mit modernen Kunststoffen verbanden.
Zu ihren bekannten Werken im öffentlichen Raum gehören unter anderem der „Vogelbrunnen“ im Britzer Garten in Berlin sowie der „Brunnen für den Rosengarten“. Auch der „Große Sitzende“, oft als „Dicker Mann“ bezeichnet, in Soest zählt zu ihren markanten Arbeiten. Darüber hinaus schuf sie zahlreiche weitere Skulpturen wie „Mädchen auf rotem Tuch“, „Rocker“, „Prozession“ oder „Fußball“, die exemplarisch für ihre thematische und formale Herangehensweise stehen.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war Biederbick Mitglied in verschiedenen bedeutenden Künstlervereinigungen, darunter der Deutsche Künstlerbund, der Künstlersonderbund in Deutschland sowie die Freie Akademie der Künste in Hamburg.
Christa Biederbick hat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Bildhauerei in Deutschland geleistet, dafür danken wir ihr. Viele Impulse konnte sie durch ihre Werke und Ausstellungsbeteiligungen auch in die Künstlerschaft des Künstlersonderbundes hineintragen.
Besonders bleibt uns ihre Warmherzigkeit und ihr Humor in der Erinnerung, Eigenschaften die auch ihr Menschenbild prägten. Danke Christa.
Nina Koch, 20. April 2026