Sonnabend, 10. November 2012, 19 Uhr
In Kooperation mit der Staatsoper Hamburg, der Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg und der Hans Pfitzner-Gesellschaft
Ein „deutscher Fall”
Hans Pfitzner und das romantische Lied
 – Gesprächskonzert
Mit Mitwirkenden der Staatsoper Hamburg: Katja Pieweck (Sopran), Moritz Gogg (Bariton), Volker Krafft (Klavier) und Kerstin Schüssler-Bach (Moderation)
Eintritt: 12,- / erm. 8,-

Hans Pfitzners »Palestrina« an der Staatsoper Hamburg (2011) hat neugierig gemacht auf seine Musik. Doch die politischen Diskussionen um seine Stellung im Nationalsozialismus scheinen heute den Blick auf seine kompositorische Leistung mehr denn je zu verstellen. Während Carl Orff und Richard Strauss, die sich im NS-Regime ähnlich opportunistisch verhielten, ohne nachhaltige Schrammen davongekommen sind, muss sich jede Pfitzner-Veranstaltung mit seinen nicht zu beschönigenden Aussagen auseinandersetzen. Pfitzners Fall ist zweifellos ein "deutscher Fall" – das gilt auch für sein enges Verhältnis zum Lied. Für diese Gattung, die als „The Lied“ oder „Le Lied“ unübersetzbar scheint, steuerte Pfitzner zahlreiche herausragende Werke bei.
Pfitzners Lieder schreiben das Erbe der deutschen Romantik fort und fragen zugleich, wohin sich Irrationalität, Weltfremdheit und Subjektivismus der Romantik im 20. Jahrhundert entwickelt haben. Im Spannungsfeld zwischen den Sehnsüchten eines Zuspätgeborenen und einer eigenwilligen, avancierten Harmonik zeigen sie sich als psychologisch feinfühlige Miniaturen. Die Ensemblemitglieder Katja Pieweck und Moritz Gogg singen Pfitzner-Lieder und Parallelvertonungen von Johannes Brahms, Franz Schubert, Richard Strauss und Hugo Wolf. Dramaturgin Kerstin Schüssler-Bach stellt Pfitzners suggestive Musik in ihren historischen Kontext.