Montag, 1. November 2010, 19.30 Uhr
WILHELM RAABE ENTDECKEN
Ein Abend anläßlich seines 100. Todestages
PETER STRIEBECK liest.
BRIGITTE KRONAUER und WOLFGANG HEGEWALD disputieren
Eintritt: € 6,- / 4,-

Jubiläen sind beliebte Vehikel der Aufmerksamkeitsökonomie und mitunter gute Gelegenheiten, ein Loch in ein ebenso feinmaschiges wie weit verbreitetes Vorurteil zu reißen.
Etwa jenes vom poetischen Realismus und der bürgerlichen Betulichkeit des Erzählers Wilhelm Raabe. Mag das Frühwerk - von dem sich Raabe später selber distanzierte - dieses Bild befestigt haben, so kommt bald aus dem atemlosen Staunen nicht mehr heraus, wer die späten Prosatexte von Raabe zu lesen beginnt: von wegen dröge Idylle; stattdessen durchtriebene Modernität und Radikalität. Erzählerische Versuchsanordnungen, die vom kruden Freiheitsbegehren des Einzelnen ebenso handeln wie vom Zerstörungsfuror des Menschengeschlechts.
Vor dem Gespräch zwischen Brigitte Kronauer und Wolfgang Hegewald über ihre Entdeckung Wilhelm Raabes und seiner Erzählkunst liest Peter Striebeck u.a. Passageen aus "Stopfkuchen. Eine See-und Mordgeschichte" (1891); "Mein bestes Werk, denn hier habe ich die menschliche Kanaille am festesten gepackt." (Wilhelm Raabe)