Dienstag, 6. November 2007, 19.30 Uhr
Eine Veranstaltung in der Reihe
Keine Literatur ohne Moral
Fritz J. Raddatz im Gespräch mit Ulla Hahn
über sein neues Buch
"Das Rot der Freiheitssonne wurde Blut"
Eintritt: € 6,- / erm. 4,-
Mit freundlicher Unterstützung durch

Wie im Bernstein die Mücke, so liegt in der Literatur das Wissen über ihre Entstehungsbedingungen eingeschlossen. Der Biograph, Romancier und Essayist Fritz J. Raddatz versteht es meisterhaft, die literarischen Zeugnisse der Vergangenheit als Kryptogramme ihrer Zeit und Spiegelungen ihrer Schöpfer zu lesen. Anhand des Langpoems »Das Palladion« von Friedrich II. etwa läßt er den großen Preußenkönig in all seiner Widersprüchlichkeit, mit seinen Vorlieben, despotischen Impulsen, Kapricen und Bissigkeiten vor unser geistiges Auge treten.

Im Gespräch mit Ulla Hahn erläutert Raddatz, warum "Literatur nicht jenseits von Zeit und Raum entsteht. Sie, wie schon die frühen Ritzungen antiker Tonscherben, Ahnung von Geschichte gibt."

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Wochenzeitung DIE ZEIT statt, deren Feuilletonchef Raddatz von 1977-85 war und für die er bis heute regelmäßig schreibt.

Fritz J. Raddatz wurde 1931 in Berlin geboren als Sohn eines UFA-Direktors. Er studierte Germanistik, Geschichte, Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Amerikanistik an der Humboldt - Universität in Ost-Berlin und machte dort 1953 Staatsexamen. 1954 promovierte Raddatz, 1971 habilitierte er sich an der Universität Hannover. Es folgte ein rasanter Aufstieg in der Welt der Literatur: 1953 bis 1958 stellvertretender Cheflektor im Verlag Volk und Welt in Ost-Berlin. 1960 bis 1969 stellvertretender Leiter des Rowohlt-Verlages, 1977 bis 1985 Feuilletonchef der ZEIT, seit 1969 Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Stiftung, Autor in viele Sprachen übersetzter Romane und eines umfangreichen essayistischen Werkes, zuletzt einer höchst beachteten Benn-Biographie. Raddatz ist unter anderem Träger des von Mitterand verliehenen Ordens „Officier des Arts et des Lettres“ und Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.