© Foto: Jim Rakete / photoselection

Dienstag, 13. Mai 2014, 19 Uhr
Ein Abend für Gregor von Rezzori
zum 100. Geburtstag.
Mit Ezzelino von Wedel und Tilman Spengler.
Siegfried W. Kernen
liest.
Eintritt: 10,- / erm 7,-

Anlässlich seines 100. Geburtstages würdigt die Freie Akademie den Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalisten und Schauspieler Gregor von Rezzori mit einem Abend. Konzipert von Ezzelino von Wedel, Sohn Rezzoris, wird dieser im Gespräch mit dem Schriftsteller Tilmann Spengler und anhand von Fotos, Film- und Tondokumenten unbekannte Facetten der Multibegabung aufzeigen, Siegfried W. Kernen Auszüge aus Rezzori-Texte lesen.

Denn: Gregor von Rezzori zählt zu den schillerndsten Figuren der deutschen Nachkriegsliteratur. 1914 in der Stadt Czernowitz geboren und aufgewachsen, kam Rezzori 1938 über Wien nach Berlin und landete nach Kriegsende beim Hamburger NWDR, wo er neben legendären Persönlichkeiten wie Axel Eggebrecht, Ernst Schnabel und Peter Bamm als Mitarbeiter am damals berühmten „Nachtprogramm“ arbeitete.

1953 erschienen seine „Maghrebinischen Geschichten“, eine Sammlung köstlicher balkanesischer Schnurren, die sofort zum Bestseller avancierten und für immer Rezzoris Image in Deutschland prägen sollten – er galt fortan als ein zwar brillanter, aber nicht ganz seriöser, journalistisch-mondäner Schriftsteller, der sich nicht zu schade war, Essays für den „Playboy“ und Kolumnen für das Frauenmagaizin „Elle“ zu verfassen.

Dass er nebenher auch Drehbücher schrieb und als Filmschauspieler neben O.W.Fischer, Brigitte Bardot oder Jeanne Moreau auftrat, trug ebenfalls nicht zur Verbesserung seines literarischen Ruhmes bei. Doch neben dem Lebemann und hinreißenden Plauderer gibt es noch ganz andere Facetten von Rezzoris komplexer Persönlichkeit. Romane wie „Ödipus siegt vor Stalingrad“ (1954), „Ein Hermelin in Tschernopol“ (1958), „Der Tod meines Bruders Abel“ (1976), „Memoiren eines Antisemiten“ (1979) und „Blumen im Schnee“ (1989) zeugen von elegischem Ernst, schillernder Ironie, Trauer über ein unwiederbringlich verlorenes Europa und der Suche nach einem Sinn inmitten eines scheinbar sinnlosen Jahrhunderts. Doch die deutsche Literaturkritik hielt fast ausnahmslos an dem Verdikt des hochstaplerischen Maghrebiniers und Dandies fest.

Anfang der sechziger Jahre verließ Rezzori Deutschland, heiratete in dritter Ehe die italienische Galeristin Beatrice Monti della Corte und lebte mit ihr abwechselnd in der Toskana und in New York. Seine Romane erschienen in Frankreich, Italien, Spanien, Großbritanien und den USA und erlebten begeisterte Zustimmung und Anerkennung. Nobelpreisträger Eli Wiesel sprach von einem Autor, der „sich mit den wichtigsten Fragen unserer Zeit befasst“ und dessen „Stimme die verstörende, magische Kraft des wahren Erzählers“ hat.

Bis heute bleibt das Urteil über Rezzori zweigeteilt. „Jetzt“, so empfiehlt der italienische Germanist Andrea Landolfi, „ist es wohl an der Zeit, eine ausgewogene Beurteilung dieses Autors nachzuholen.“