„Ästhetiken des Virtuellen“
Eine Veranstaltungsreihe der
Freien Akademie der Künste in Hamburg und der
Hochschule für Bildende Künste Hamburg

Begriffe des „Virtuellen“ erfahren seit vielen Jahren große Aufmerksamkeit, nicht nur im Rahmen wissenschaftlicher Diskurse, sondern auch in Alltags- und Mediendiskursen, ohne allerdings hinreichend definiert zu sein. Sie betreffen digitale Technologien der Simulation, die z.B. unter dem Stichwort „Second Life“ betrachtet werden ebenso wie computergestützte Entwurfs- und Fertigungsprozesse (z.B. die neuen Möglichkeiten von 3D-Druckern), künstlerische Verfahren („Digital Art“) aber auch gesellschaftspolitische Entwicklungen (wie z.B. die digitale Revolution im Kontext des arabischen Frühlings) oder militärische Probleme („Cyberwar“, der Einsatz von Drohnen in der Militärtechnologie) sowie aktuelle philosophische Forschungen, die nach „Ontologien des Virtuellen“ fragen. Gegenwärtig wird das „Virtuelle“ zumeist noch dem Realen gegenübergestellt, was zusehends fragwürdiger wird.

Die Gesprächsreihe „Ästhetiken des Virtuellen“ in der Freien Akademie der Künste Hamburg betrachtet ausgewählte Aspekte aus unterschiedlichen Blickwinkeln und lässt dabei sowohl Künstler/innen als auch Theoretiker/innen zu Wort kommen. Sie spannt damit einen inhaltlichen und personellen Bogen zu dem gleichnamigen Graduiertenkolleg der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK), welches diese Fragstellungen in den kommenden drei Jahren aus wissenschaftlich-künstlerischer Perspektive betrachten wird.

 


 

Mittwoch, 29. Oktober 2014, 19 Uhr
Michaela Ott und Michaela Meliàn
Dividuelle Artikulationen

Michaela Ott ist Professorin für Ästhetische Theorien an der HFBK Hamburg und widmet sich in ihrer Forschung u.a. der poststrukturalistische Philosophie, dem Verhältnis von Ästhetik und Politik sowie Fragen des Kunst-Wissens. In diesem Jahr erscheint auch das gemeinsam mit Hanne Loreck herausgegebene Buch „Re*: Ästhetiken der Wiederholung“.

Michaela Meliàn ist Professorin für Mixed Media / Akustik im Studienschwerpunkt „Zeitbezogene Medien“ an der HFBK Hamburg. Ihr Interesse gilt der der Politik von Erinnerung und dem Weiterwirken zeitgeschichtlicher Phänomene. Fragen nach der Historizität von Orten, Gedächtnis und Sprache sowie ihnen innewohnenden Momenten von (Re-)Konstruktion und Projektion sind häufige Themen im Werk der Künstlerin und Musikerin. Ihre multimedialen Installationen, die Objekte, Fotografien, Filme, Zeich­nungen, Musik und Texte einschließen können, spannen aus einer Vielzahl kultur­geschichtlicher, popkultureller und gesellschaftspolitischer Referenzen ein komplexes Netz an Bedeutungen, Erzählungen und möglichen Lesweisen auf. Sie ist Sprecherin des Graduiertenkollegs „Ästhetiken des Virtuellen“.

 


 

Mittwoch, 12. November 2014, 19 Uhr
Hans-Joachim Lenger und Friedrich von Borries
Ästhetiken des Krieges

Hans-Joachim Lenger ist Professor für Philosophie an der HFBK Hamburg, der mit einer Arbeit über »Sein, Technik, Aisthesis. Zur philosophischen Grundlegung ästhetischer Kategorien« promivierte. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen ontologische und ökonomische Probleme einer »Intertextualität« symbolischer Ordnungen, Geschicke der aísthesis unter medialen Bedingungen sowie Begriffe des Politischen, die kommenden Aufständen gewachsen wären. Er veröffentlicht regelmäßig philosophische, kunst- und medientheoretische Beiträge in Zeitschriften, Sammelbänden und Katalogen und ist Autor einer Vielzahl von Rundfunkbeiträgen für verschiedene Sender der Bundesrepublik, in denen er regelmäßig aktuelle Fragen kommentiert. Er ist Mitbegründer des Web-Radiosenders „agoRadio“, bei dem Autor/innen, Theoretiker/innen und Künstler/innen nach neuen Möglichkeiten suchen, unter veränderten medientechnologischen Bedingungen zu Produzenten zu werden. Er ist Sprecher des Graduiertenkollegs „Ästhetiken des Virtuellen“.

Friedrich von Borries ist Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der HFBK Hamburg. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit den ökonomischen, kulturellen und politischen Einflussfaktoren auf Gestaltung. Dazu zählen gesellschaftspolitische Fragestellungen wie Klimawandel genauso wie Phänomene, die gegenwärtigen Virtualisierungsprozessen zuzuordnen sind: Computerspiele, mediale Kriegs- und Überwachungstechnologien und Marketingstrategien. Derzeit leitet er ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt über „urbane Interventionen“, das die Wirkung interventionistischer Praxen in Kunst, Design, Architektur und politischem Aktivismus auf die Wahrnehmung und Nutzung urbaner Räume untersucht.

 


 

Mittwoch, 3. Dezember 2014, 19 Uhr
Hanne Loreck und Erich Pick
Potenzielle Architekturen 

Hanne Loreck ist Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften/ Gender Studies und Mitglied des Studienschwerpunkts Theorie und Geschichte der HFBK Hamburg. Sie arbeitet zudem als freie Autorin und Kunstkritikerin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Subjekttheorie, Fragen ästhetisch-politischen Handelns sowie Theorien des Bildes und der Wahrnehmung. Sie war als Dozentin und Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten und Kunsthochschulen tätig, bevor sie 2004 an die HFBK Hamburg berufen wurde.

Erich Pick ist bildender Künstler, Kulturwissenschaftler und Kurator. Mit seinen Arbeiten bezieht er sich auf die Wahrnehmungen von Räumen und auf Konzepte zu Topologie, Architektur und Urbanismus. Seine künstlerischen Arbeiten umfassen plastisch-installative Methoden, Video und Audio sowie Text.In einem Dissertations-Projekt an der HFBK Hamburg reflektiert er die Verknüpfungen zwischen biomorpher Architektur, die durch neue Produktionstechnologien möglich geworden ist, und Biopolitik mit Bezug auf Michel Foucault und Gilles Deleuze.