Eine Veranstaltungsreihe
Im Rahmen des 4. Hamburger Architektur Sommer
In Kooperation mit dem BDA Hamburg, dem Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt Hamburg und der Hamburgischen Architektenkammer

 

Weiterbauen II
50er, 60er, 70er Jahre

Die Architektur der 50er, 60er und 70er Jahre ist als solche in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer kaum präsent. Insgesamt herrscht ein großer Druck auf Gebäude dieser bauintensiven Epoche, der in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Oftmals in attraktiven Lagen errichtet, versprechen ihre Grundstücke heute hohe Renditen - die Bauten selbst hingegen scheinen von geringem materiellen und künstlerischen Wert. Öffentliche Widerstände gegen drohenden Abbruch regen sich in den meisten Fällen nicht.
Eine ganze Generation von Bauwerken bedarf dringend innovativer Nachnutzungskonzepte, die in der Reihe exemplarisch vorgeführt werden. In sieben Vor-Ort-Terminen werden Architekten, Investoren, Nutzer, Denkmalpfleger und Bauhistoriker die Besonderheiten dieser für Hamburg prägenden Epoche erläutern und über den Umgang mit ihrem baulichen Erbe sprechen.


Mittwoch, 26. April 2006, 16 Uhr
Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Neuen Heimat.
Auftaktveranstaltung mit einer Einführung von Ralf Lange
Andreas Holz (Vorstand der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S.), Joachim Boche (WGK Planungsgesellschaft), Luis Moreno (Denkmalschutzamt Hamburg)

Das Verwaltungsgebäude des nicht mehr existierenden gewerkschaftseigenen Baukonzerns wurde 1956-58 errichtet. Die Architekten (Planungsabteilung der Neuen Heimat mit Ernst May, Diether Haase, Jürgen Baumbach u.a.) schufen für das weltweit operierende Unternehmen eine markante Firmenzentrale in Form einer schlanken Hochhausscheibe mit einem ovalen Vorstandssitzungssaal auf dem Dach, die zu einem Symbolbau der Nachkriegsmoderne in Hamburg wurde. Das Gebäude wurde später von der WGK Planungsgesellschaft modernisiert und gehört heute der Alfred-Toepfer-Stiftung.

 

Mittwoch, 10. Mai 2006, 16 Uhr
Eine Veranstaltungsreihe Im Rahmen des 4. Hamburger Architektur Sommer
In Kooperation mit dem BDA Hamburg, dem Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt Hamburg und der Hamburgischen Architektenkammer
Weiterbauen II
50er, 60er, 70er Jahre
Gewerbeschule für Maschinenbau Angerstrasse
Rüdiger Franke (Architekt), Cord Möllgaard (Schulleiter)

Um einen gründerzeitlichen Ursprungsbau herum entstand von 1959 bis 1961 die Gewerbeschule für Maschinenbau von Lothar Kreitz, einem Schüler der Stuttgarter Schule. Die bescheidenen, disziplinierten Gelbklinkerbauten beeindrucken durch "die aufgeräumte und zugleich fast heitere Zuordnung und Gliederung der Bauten, die Klarheit ihrer Verschneidungen und die unaufdringliche Schönheit ihrer Details..." (Ulrich Höhns). 2005 sanierte und modernisierte der Hamburger Architekt Rüdiger Franke die Bestandsgebäude mit viel Fingerspitzengefühl. Hinzu kamen im rückwärtigen Teil zwei Neubauten (Lehrwerkstätten und Pausenhalle), die sich durch die gewählten Materialien (Glas, Stahl, Aluminium) klar von den Altbauten abgrenzen.

 

Mittwoch, 24. Mai 2006, 16 Uhr
Umnutzung ehemaliges Polizeipräsidium am Berliner Tor
Dieter Becken (Investor, Becken Investitionen & Vermögensverwaltung), Hadi Teherani (brt Architekten)

Das ehemalige Polizeipräsidium ist noch heute eines der wichtigsten Gebäude der Nachkriegsmoderne in Hamburg. Das Hochhaus, errichtet 1958-66 nach den Plänen von Hans Atmer, Jürgen Marlow, Conrad Holthey, Harro Freese und Egon Jux ist mit seiner auffälligen "brises-soleil"-Fassade (ursprünglich aus Stahlbetonlamellen, heute aus Leichtbauteilen) ganz klar von den brutalistischen Bauten Le Corbusiers beeinflußt worden. Im Zuge eines Tauschgeschäfts verließ die Polizei Hamburg ihr ehemaliges Präsidiumsgebäude und zog in einen Neubau in die City Nord. Mit einer aufwändigen Sanierung (u.a. Asbestentfernung) und Modernisierung durch die Architekten Bothe Richter Teherani wurde das in die Jahre gekommene Gebäude zu einem zeitgemäßen Bürohaus umgewandelt, dessen gestalterische Prägnanz und Einzigartigkeit dennoch erhalten blieb.

 

Mittwoch, 31. Mai 2006, 16 Uhr
Campus Universität Hamburg
FB Erziehungswissenschaften, Audimax, Rechtshaus, FB Wirtschaftswissenschaften.
Michael Holtmann (Bauabteilung Uni Hamburg), Albert Schett (Denkmalschutzamt Hamburg)

Die Planungen für den Campus der Hamburger Universität gehen auf Paul Seitz zurück. Entsprechend dem Geist der Nachkriegszeit setzt die Anlage dem gründerzeitlichen Straßenraster des Stadtteils Rotherbaum das Konzept von Solitärbauten in einem frei fließenden Raum entgegen. So entstanden in einem nicht hierarchischen, offenen Raum u.a. das Audimax (Bernhard Hermkes, 1957-59), das Pädagogische Institut (Paul Seitz, 1957-60), das Rechtshaus (Gustav Hassenpflug, 1959-64) und später das Gebäude für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften (D. Hoor, K. Gelhaar, C.F. Fischer, H.v.Bassewitz, 1974). Die genannten Bauten wurden in den letzten Jahren im Zuge des Entwicklungskonzepts "Universität im Stadtteil" von zumeist jungen Hamburger Architekturbüros sukzessive umgebaut, modernisiert und ergänzt.

 

Mittwoch, 14. Juni 2006, 16 Uhr
Wohnhaus Bogenallee
Carsten Venus (blauraum Architekten), Elke Seipp (Cogiton Projekt Harvestehude GmbH)

Ein aus den siebziger Jahren stammendes unauffälliges Bürogebäude in Stahlbetonskelettbauweise mit einer Parketage im Erdgeschoss wurde vom Hamburger Büro blauraum architekten in ein spektakuläres Wohnhaus umgewandelt. Das Gebäude wurde bis auf das Skelett entkernt, ein zusätzliches Treppenhaus eingefügt, alle Leitungen neu verlegt und die Fassade völlig neu entwickelt. Zusätzliche Nutzfläche wurde durch vorgehängte Balkone und Wohnkuben gewonnen.

 

Mittwoch, 6. September 2006, 15 Uhr
Modernisierung und Erweiterung Staatsoper
Björn Papay (KKPW Architekten), Benedikt Schmitz (SML Architekten), Hans-Peter Boecker (Hamburgische Staatsoper), Albert Schett (Denkmalschutzamt Hamburg)

Nachdem im Zweiten Weltkrieg das Vorderhaus der Staatsoper ausgebrannt war, wurde zwischen 1953 und 1955 an dessen Stelle ein unprätentiöses, aber elegantes Zuschauerhaus mit einer Glas-Travertin-Fassade nach den Plänen des Frankfurter Architekten Gerhard Weber errichtet. Dieses Vorderhaus wurde in den letzten Jahren renoviert und modernisiert. Gleichzeitig wurde das rückwärtige Bühnenhaus saniert und auf beengtem Raum um ein neues Betriebsgebäude (Architekten: Kleffel Köhnholdt Papay Warncke und Kreitz Kopf + Partner) sowie eine "Mantelbebauung" mit Büro- und Geschäftsräumen (Planung: SML Schmitz Münzesheimer Lück) ergänzt. SML Architekten haben schließlich auch eine moderne Theaterkasse in den Gebäudekomplex integriert.

 

Mittwoch, 20. September 2006, 16 Uhr
Kirche St. Nikolaos (vormals Simeonkirche)
Friedhelm Grundmann (Grundmann + Hein Architekten), Georgios Manos (Erzpriester griechisch-orthodoxe Gemeinde), Volker Konerding (Denkmalschutzamt Hamburg)
Im Anschluss:
Zusammenfassende Diskussion zum Thema ‚Nachnutzung von Bauten der 50er, 60er und 70er Jahre'
mit Volker Konerding (Denkmalschutzamt Hamburg), Horst v. Bassewitz (Architekt), Oberbaudirektor Jörn Walter, Dr. Wilhelm Poser (Nordelbische Kirche, Dezernent Bauwesen)

Das nach Plänen der Architekten Friedhelm Grundmann und Herbert Kuhn 1965-66 in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Hans Kock errichtete Gemeindezentrum verweist als Ensemble weißer Kuben weniger auf die Nachkriegs- als auf die frühe Moderne der zwanziger Jahre. Skulptural ausgebildete Elemente und Details lassen gleichzeitig an den Brutalismus von Le Corbusier denken. Wenngleich Architekturhistoriker wie Ralf Lange die Kirche als "einen der wichtigsten Sakralbauten in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnen, gab die Evangelisch-lutherische Kirche das Gebäude vor einigen Jahren auf und verkaufte es an die griechisch-orthodoxe Gemeinde Hamburgs, die die Kirche für ihre Bedürfnisse umbauen ließ.

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