Hochschule für Bildende Künste Hamburg (Ausschnitt) | © Klaus Frahm

Weiterbauen XV

15 Jahre Weiterbauen! Pünklich zum Hamburger Architektursommer 2019 feiert die erfolgreiche Architekturreihe der Freien Akademie der Künste, des Denkmalschutzamts Hamburg, des BDA Hamburg und der Hamburgischen Architektenkammer ein kleines Jubiläum.
Die 15 Staffel wurde aus diesem Anlass etwas verlängert und widmet sich von Mai bis Juli 2019 insgesamt neun Baumaßnahmen, die sich durch interessante, z.T. auch überraschende Umnutzungskonzepte auszeichnen.
Und auch die betrachtete Zeitspanne ist diesmal besonders lang und reicht vom 1711 errichteten Görtz-Palais am Neuen Wall (nunmehr Teil der neu geschaffenen "Stadthöfe") bis zur 1972 fertiggestellten und in den vergangenen Jahr frisch sanierten und ergänzten Firmenzentrale der HELM AG in Hammerbrook.
Während das Christianeum in Othmarschen ebenso wie die Hochschule für Bildende Künste und die Kapelle des Friedhofs Blankenese zwar hochinteressante Ergänzungen bzw. Sanierungen erfahren haben, jedoch keiner neuen Nutzung zugeführt wurden, sind die Umnutzungskonzepte der anderen Projekte umso ungewöhnlicher: Die Pestalozzischule auf St. Pauli wurde in ein Wohnhaus umgebaut, in die ehemalige Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt wurde ein 5-Sterne Hotel integriert und die ehemalige Frohbotschaftskirche am Dulsberg beherbergt heute unter anderem eine Kita.

Für alle Veranstaltungen gilt:
Eine verbindliche Anmeldung ist zwingend erforderlich bis spätestens sieben Tage vor der jeweiligen Veranstaltung per Fax an (040) 32 69 29 oder per eMail an . Begrenzte Teilnehmerzahl nach Reihenfolge der Anmeldungen. Informationen zum jeweiligen Treffpunkt erhalten Sie bei Anmeldung. Unkostenbeitrag 5,– Euro pro Person und Veranstaltung, fällig bei Anmeldung.

Programmheft als pdf:


Donnerstag, 2. Mai 2019, 16 Uhr
Neugestaltung Hauptsitz Helm AG
Martin Murphy (Störmer, Murphy and Partners)
n.n. (Helm AG)
Die 1972 nach Plänen der Architekten Hans Jochem und Peter Hauske fertig gestellte Hauptverwaltung der Helm AG liegt im Stadtteil Hammerbrook. Sie bildet das 1972 fertig gestellte Gebäude mit dem gegenüberliegenden, in der Grundstruktur annähernd baugleichen Hanse-Haus ein städtebauliches Ensemble. Die Sanierungsmaßnahmen umfassten die Modernisierung der Büroflächen, der Fassade, der gesamten Haustechnik sowie den Einbau einer Brücke, die die Hauptverwaltung mit den zusätzlich gemieteten Büroflächen im Hanse-Haus verbindet. Das Gestaltungsprinzip der bisherigen Fenster-Band-Fassade wurde im Wesentlichen beibehalten. Die horizontale Linienführung wird in der neuen Aluminiumblech-Fassade noch konsequenter umgesetzt und durch ein neues Motiv akzentuiert: Die schräg verlaufende Faltung in der weißen Fassadenverkleidung baut Spannung auf und lässt durch unterschiedliche Licht- und Schattenwirkungen im Tagesverlauf ein immer neues Erscheinungsbild entstehen.


Mittwoch, 8. Mai 2019, 16 Uhr
Friedhof Blankenese – Innenräumliche Umgestaltung der Kapelle und Außenaltarensemble
Matthias Schmidt (Stölken Schmidt Architekten)
n.n. (Ev.-Luth. Kirchengemeinde Blankenese)
Ursula Markfort (Denkmalschutzamt Hamburg)
Die 1927 nach dem Entwurf von Johannes Hatje erbaute und 1962 von Grundmann und Sandtmann Architekten erweiterte Kapelle des Blankeneser Friedhofs besticht vor allem durch ihren paraboloiden, hellen Innenraum, welchen das ziegelsichtige Äußere des expressionistischen Baus nicht ohne Weiteres erahnen lässt. In Farbe, Licht und Materialität das Vorgefundene atmosphärisch aufzuwerten, den historischen Raum zu stärken und in moderner Architektursprache zu ergänzen, war Kern der innenräumlichen Umgestaltung und Sakralisierung. Die lichte Filigranität des hohen Gewölbes findet ihre Ergänzung im pastelltonigen Farbkonzept, der Reduziertheit der Ergänzungen und insbesondere in dem gläsernen Altar mit darüber schwebendem Kreuz, Entwurf Matthias Schmidt, welcher den Fokus des Kapellenraums bildet. Über die Trauerkultur hinaus, dient die Kapelle zudem der Feier von Gottesdiensten. Neben der Kapelle bilden die Abschiedsräume und das Altarensemble im Freien weitere Orte der Besinnung in der Erinnerungslandschaft des Friedhofs. Das Glaskunst-Fenster ‚biblische Gefäße’, Entwurf Matthias Schmidt, zeigt abstrakte Gefäße als Sinnbild des Bewahrens. Das Durchlicht der unterschiedlich dichten Grisaille gibt dem hölzernen Kabinett des Innenraumes eine diffuse, atmosphärische Prägung. In der Archaik der lagernden Altarzylinder finden die Gefäßformen eine inhaltliche Entsprechung. Das Ensemble markiert einen weiteren Gedächtnis- und Andachtsort in der Weitläufigkeit des historischen, parkartigen Friedhofs. In einem weiteren Bauabschnitt wurden die Flügelbauten entlang des Kapellenvorplatzes saniert, umgestaltet und hinsichtlich ihrer Funktion auf die im Gebäudeensemble vorgenommenen Änderungen hin angepasst, sodass sie nun als Versammlungs- und Besprechungsräume zur Verfügung stehen.


Mittwoch, 15. Mai 2019, 16 Uhr
Umnutzung Frohbotschaftskirche Dulsberg für Kita und Gemeinderäume
Axel Winckler
(WRS Architekten und Stadtplaner)
n.n. (Ev.-luth. Kirchengemeinde Hamburg-Dulsberg sowie Kita)
Ursula Markfort (Denkmalschutzamt Hamburg)
Die Frohbotschaftskirche in Hamburg-Dulsberg wurde 1936-38 erbaut. Die Kirche war für ihre Besucheranzahl zu groß und außerdem stark sanierungsbedürftig. Durch den Umbau konnten drei Funktionen - Sakralraum, Kita und Gemeindearbeit - unter einem Dach vereint und die Kirche so vor dem Abriss bewahrt werden. Dafür wurden im Inneren zwei neue Baukörper nach dem Haus-im-Haus-Prinzip in das entkernte Kirchenschiff eingefügt. Von außen blieb das Denkmal fast unverändert. Die Öffnung zum Stadtteil und die Einbindung des Straßburger Platzes wurden durch den neuen Zugang vom Platz aus erreicht.


Ausgebucht!

Mittwoch, 22. Mai 2019, 16 Uhr
"Stadthöfe" in der ehemaligen Baubehörde
Ulrich Hannen (David Chipperfield Architects)
Volker Budelmann (Stadthöfe GmbH & Co. KG/Quantum)
Christoph Schwarzkopf (Denkmalschutzamt Hamburg)
Die "Stadthöfe" sind ein Ensemble aus acht denkmalgeschützten ehemaligen Verwaltungsgebäuden und fünf miteinander verbundenen Innenhöfen zwischen Stadthausbrücke, Neuer Wall, Bleichenbrücke und Große Bleichen. David Chipperfield Architects Berlin entwickelte den Masterplan zur Revitalisierung des Ensembles und plante den Umbau und die Instandsetzung von sechs der acht Häuser. Neben der Schaffung neuer Passagen wurden hofseitig einzelne Gebäudeteile in Anlehnung an die historische Kubatur und Fassadengestaltung ergänzt. Die historischen Fassaden und Treppenaufgänge wurden erhalten, die Dachaufstockung aus der Nachkriegszeit rückgebaut und eine neue Dachlandschaft realisiert, die sich an den Formen der historischen Dächer orientiert. Keimzelle des Quartiers bildet das 1711 von Johannes Nicolaus Kuhn erbaute Görtz-Palais am Neuen Wall (von dem lediglich die bereits rekonstruierte Barockfassade erhalten blieb), welches ab 1814 als ‚Stadthaus‘ von der Hamburger Polizei-Behörde genutzt wurde. Der steigende Raumbedarf der wachsenden Behörde führte zunächst zur Errichtung weiterer Gebäude auf Grundstücken in der Nachbarschaft, als zweite Erweiterung entstand zwischen 1911 und 1926 unter Baudirektor Fritz Schumacher ein neues ‚Stadthaus‘, das die verschiedenen Gebäude zu einem geschlossenen Komplex verband. Zwischen 1933 und 1943 nutzte auch die Gestapo Räumlichkeiten in den Stadthöfen. Ein Gedenkort im neuen Stadthaus erinnert daran. Nach Kriegsende erfolgte die rasche Wiederherstellung der schwer zerstörten Gebäude und bis 2013 die Nutzung durch die städtische Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.


Mittwoch, 29. Mai 2019, 16 Uhr
Umnutzung Pestalozzischule zu Wohnhaus, St. Pauli
Sven Hidde
(HP Architekten)
n.n.
Katrin Meyer (Denkmalschutzamt Hamburg)
Die 1928 nach Plänen des damaligen Altonaer Bausenators und Stadtbaurats Gustav Oelsner erbaute Pestalozzischule in Hamburg-St. Pauli 
galt nach ihrer Fertigstellung als eines der modernsten Schulgebäude Deutschlands. 
Nach Aufgabe des Schulbetriebes wurde das Gebäude nun zu 20 barrierefreien Wohnungen für eine selbstnutzende Baugemeinschaft, zwei Gewerbeeinheiten und eine kommunale Sporthalle umgebaut. Im Vordergrund der Planungen stand dabei die Frage, in welcher Weise das Gebäude nicht nur in seiner äußeren Erscheinung, sondern auch in seiner inneren Struktur und Ausstattung so weit wie möglich erhalten und trotzdem weiterentwickelt werden kann. So sind die Wohnungen in den ehemaligen Klassenräumen konzentriert. Auf Balkone wurde zugunsten einer Wiederherstellung der von Gustav Oelsner geplanten Freiluftklasse auf dem Dach verzichtet. Es ist gelungen, Turnhalle, Aula, Treppenräume und Flure in ihrer ursprünglichen Form und Ausstattung zu erhalten bzw. wiederherzustellen.


Mittwoch, 12. Juni 2019, 16 Uhr
Sanierung und Einbau einer Bibliothek, Christianeum
Stefan Mathey
(lup Architekten)
n.n. (Schulbau Hamburg)
Alexander Krauß (Denkmalschutzamt Hamburg)
Das Christianeum wurde 1968 bis 1971 nach Plänen der dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling errichtet. Das Gebäude steht außen und innen einschließlich der Ausstattung unter Denkmalschutz. Für den wertvollen Buchbestand, basierend auf einer Schenkung des Schulgrün-ders, Christian VI, König von Dänemark, wurde durch den Ausbau eines Hochkellers und durch die Umstrukturierung von Räumlichkeiten eine neue Bibliothek geschaffen. Zeitgleich fand die innere Grundinstandsetzung der Schule statt.


Mittwoch, 19. Juni 2019, 16 Uhr
Umbau und Sanierung Hochschule für Bildende Künste
Ulrich Hahnefeld
(SHE Architekten)
Alexandra Schmitz (asdfg Architekten)
Ute Reiter (Hochschule für Bildende Künste)
Corinna Nickel, Christoph Bartsch (Denkmalschutzamt Hamburg)
Mit der Wiedereröffnung der Mensa (2017, SHE Architekten und Ute Reiter, HfBK) sind nach der Restaurierung der Aula (2013, Tillmann Bingel, HfBK) und der Neukonzeption der Bibliothek (2015, asdfg Architekten und Jezko Fezer/Glen Oliver Löw, HfBK) die drei zentralen Räume des zwischen 1911 und 1913 nach Plänen von Fritz Schumacher als "Kunstgewerbeschule" entstandene Gebäudekomplexes am Lerchenfeld richtungsweisend modernisiert. Während die Aula im Zuge der Sanierung im Wesentlichen restauriert wurde und u.a. ihre farbenfrohe Ornamentik zurückerhielt, die seit den 1950er Jahren unter einem grau-weißen Dispersionsanstrich verschwunden war, erfuhr die Mensa neben einer zeitgemäßen technischen Erneuerung eine umfangreiche funktionale Erweiterung und wurde gestalterisch neu ausgerichtet. Auch die Bibliothek erhielt ein komplett neues, an den heutigen Arbeitsbedürfnissen ausgerichtetes Raum-, Gestaltungs- und Akustikkonzept


Ausgebucht!

Mittwoch, 26. Juni 2019, 16 Uhr
Umbau ehemalige Oberfinanzdirektion zu Hotel
Karsten Meding, Jan-Oliver Meding, Harro Grimmer (MPP Meding Plan + Projekt)
Alexander Möller, Olivier Briand (Frasers Hospitality)
Daniela Scherz (Denkmalschutzamt Hamburg)
2014 erwarb die in Singapur beheimatete "Frasers Hospitality Gruppe" von der Stadt Hamburg das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt. Das zwischen 1907 bis 1910 nach dem Entwurf des 1. Stadtbauinspektors Albert Erbe gebaute Haus wurde als eines der wenigen Gebäude im Quartier im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt und prägt mit seiner aufwendigen Fassade im neobarocken Stil bis heute den Rödingsmarkt. Nach Plänen von MPP Meding Plan Projekt wurde es nun zu einem Suiten-Hotel mit 5 Sterne Superior Standard umgebaut. Der Charme des prunkvollen Altbaus spiegelt sich auch nach dem Umbau in der Eingangshalle, im Restaurant, den Konferenzräumen sowie den rund 154 Zimmern wider. Als Gestaltungsleitfaden für den Innenausbau wurden stilistisch die 1920er Jahre gewählt, namentlich das berühmte Claridge Hotel an den Pariser Champs Elysée.


Mittwoch, 3. Juli 2019, 16 Uhr
Erweiterung und Sanierung Grundschule Kielortallee
Andreas Christian Hühn (ppp architekten + stadtplaner gmbh)
Frank Behrens (Schulleiter)
Das 1905 eröffnete Schulgebäude an der Kielortallee im extrem dicht besiedelten und kinderreichen Stadtteil Eimsbüttel musste erweitert undfür die Anforderungen an einen modernen Grundschulunterricht umgebaut und saniert werden. Der 1958 errichtete Ersatzbau für eine im 2.Weltkrieg zerstörte Turnhalle an der Straße wurde abgerissen und nach Plänen von ppp architekten + stadtplaner gmbh durch einen Erweiterungsbau mit Pausenhalle, Sporthalle und Unterrichtsräumen ergänzt. Die neue, großzügige Aula im Erdgeschoss stellt eine Verbindung zwischen Schule und Stadtteil her. Der Neubau fügt sich durch seine Form, durch die Zonierung seiner Geschosse sowie durch Farbe und Materialität in das gründerzeitliche Straßenbild der Kielortallee ein. Einem innovativen, bundesweit beachteten Unterrichtskonzept wurde bei der Neukonzeption der Räume ebenfalls Rechnung getragen.


Die Programme der Reihe "Weiterbauen" in den vergangenen Jahren: