Weiterbauen III - Nachnutzungskonzepte denkmalgeschützer Bauten

Der überwiegende Teil planerischer Aufgaben liegt heute im Bereich des Bauens im Bestand und die Frage, wie wir mit bestehender Substanz umgehen wollen, wird sich in Zukunft immer dringender stellen. Die Freie Akademie der Künste, die Hamburgische Architektenkammer, der BDA Hamburg und das Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt Hamburg führen deshalb 2007 die Exkursionsreihe „Weiterbauen“ fort und zeigen sieben Beispiele für aktuelle Nach- und Umnutzungskonzepte.
Die Auswahl unterliegt in diesem Jahr keiner thematischen oder zeitlichen Eingrenzung – und dennoch lassen sich Verbindungslinien ziehen: Auffällig viele der zu besichtigenden Objekte entstammen der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Dies hat wenig mit Vorlieben der Auswahljury zu tun, vielleicht aber etwas mit spezifischen architektonischen Qualitäten dieser Bauepoche.
Auch wenn es uns heute so scheint: Das Bauen im Bestand ist beileibe keine neue Entwicklung. Zu allen Zeiten wurden Gebäude umgebaut und erweitert. Ein Beispiel dafür liefert das 1907 erbaute Haus, in dem seit Neuestem die Spielbank Hamburg residiert, denn es war vorher schon Hotel, Verwaltungsgebäude, Kino, Fußgängerpassage und Bank. Man darf gespannt sein, ob die Bauten späterer Generationen einmal dieses Spektrum von Umnutzungen erreichen werden.

Anmeldung für alle Veranstaltungen bis jeweils spätestens 7 Tage vor der Veranstaltung per Fax an 040-326929 oder per eMail an .
Begrenzte Teilnehmerzahl nach Reihenfolge der Anmeldungen. Informationen zum jeweiligen Treffpunkt erhalten Sie bei Anmeldung.
Unkostenbeitrag: je € 3,- / erm. € 2,-

des Programms als pdf

Folgende Termine sind geplant:

Donnerstag, 19. April 2007, 14.00 Uhr
Spielbank Hamburg – Casino Esplanade
Peter Lehmann (Böge Lindner Architekten), Otto Wulferding (Spielbank Hamburg), Luis Moreno (Denkmalschutzamt Hamburg)

Das luxuriöse „Hotel Esplanade“ von Boswau & Knauer aus dem Jahr 1907 durchlebte eine wechselvolle Geschichte: Nach mehrfachem Besitzerwechseln und nur mäßigem geschäftlichen Erfolg wurde es 1939 an die PHRIX AG verkauft und zum Bürogebäude umgestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst wieder der Hotelbetrieb aufgenommen. Der hintere Bereich mit dem ehemaligen Ballsaal wurde 1948 von Caesar Pinnau zum Premierenkino „Esplanade“ umgebaut und bis 1982 genutzt. Pläne, das gesamte Gebäude abzureißen um Platz für ein drittes Solitärhochhaus (in einer Reihe mit Finnland- und Burmah-Haus) zu schaffen, wurden nicht umgesetzt. Die spätere Norddeutsche Genossenschaftsbank kaufte 1972 das Haus und ließ es von Werner Kallmorgen zu einem modernen Bürohaus umbauen. Dabei wurden in die hohen Säle Zwischendecken gezogen und die Räume aller historischen Ausstattung beraubt. Parallel wurde im 1. OG eine Fußgängerpassage mit Geschäften durch das Gebäude getrieben, die eine Verbindung von den Collonaden zum Dammtor-Bahnhof herstellen sollte. Von der Originalsubstanz blieben einzig Teile eines Treppenhauses erhalten. Die Architekten Böge Lindner-Böge bauten das Haus 1999 mit edlen Materialien zur norddeutschen Zentrale der DG-Bank um. Bereits sieben Jahre später erhielten dieselben Architekten den Auftrag, das Gebäude zu sanieren und in einen Teil das „Casino Esplanade“ zu errichten. Seit Kurzem rattern nun die Automaten und kreisen die Roulette-Kugeln in einem reduzierten, aber dennoch edlen Ambiente. Das dominierende Material Messing wurde von einem erhaltenen historischen Treppenhandlauf übernommen – nicht das einzige Indiz dafür, dass die Architekten in moderner Form dem Gebäude seinen Charakter zurückgeben wollten.
ausgebucht

 

Freitag, 11. Mai 2007, 16.00 Uhr
KZ Gedenkstätte Neuengamme
Dr. Detlef Garbe (Direktor Gedenkstätte), Andreas Ehresmann (wissenschaftlicher Mitarbeiter Gedenkstätte), Dieter Schramm (Meyer Schramm Bontrup Landschaftsarchitekten),
Nina Holsten (Graphische Werkstätten Feldstraße)

Das KZ Neuengamme war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Anlass für die Gründung waren reichhaltige Tonvorkommen und eine stillgelegte Ziegelei, die den Grundstock bildeten für ein von der SS betriebenes Großklinkerwerk. Die Stadt Hamburg unterstützte dies nach Kräften durch Darlehen und umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen. Gestapo und SS ließen zehntausende Menschen, vor allem Widerstandskämpfer, aus allen besetzten Gebieten Europas hierher deportieren, wo sie unter unvorstellbar grausamen Bedingungen Ziegel, später aber auch Rüstungsgüter produzieren mussten. Mehr als die Hälfte der 100.000 Häftlinge kam ums Leben. Nach Kriegsende nutzten zunächst die britischen Truppen das Lager zur Unterbringung von Kriegsgefangenen sowie von SS- und NSDAP-Funktionsträgern. 1948 übernahm die Stadt das Gelände und errichtete dort die „Vollzugsanstalt Vierlande“, für die z.T. die bestehenden Gebäude und Sperreinrichtungen weiter genutzt wurden. 1970 wurde ein weiteres Gefängnis errichtet. KZ-Überlebende und die Angehörigen von KZ-Opfern kämpften jahrzehntelang vergeblich für eine Verlagerung der Haftanstalten und die Einrichtung einer Gedenkstätte. Eine kleinere Gedenkstätte existiert zwar seit 1953, doch erst 2001 beschloss die Bürgerschaft die Verlagerung der Gefängnisse und die Einbeziehung des Gesamtgeländes in eine Gedenkstätte. Die Gefängniseinrichtungen wurden weitestgehend abgerissen; nicht mehr vorhandene KZ-Bereiche wurden aber nicht rekonstruiert. Stattdessen wird in abstrakt-reduzierter Form mit Ziegelbruch, Schotter, Metallpfosten und –gerüsten und freigelegten Fundamentresten an die Lagerzeit erinnert. Hinzu kommen mehrere Ausstellungen in verschiedenen Gebäuden. (Planung: Meyer Schramm Bontrup Landschaftsarchitekten, KZ-Gedenkstätte, Graphische Werkstätten Feldstraße)

 

Donnerstag, 31. Mai 2007, 16.30 Uhr
Speicherstadt: Block P (HPA) und Block D (Stage Holding)
Kim Gutsche, Ludger Wälken (HHLA-Immobilien), Anke Rohn (HPA), Albert Schett (Denkmalschutzamt Hamburg)

Der historische Speicherblock D, entstanden in den Jahren 1886-1888 nach Entwürfen des städtischen Oberingenieurs Franz Andreas Meyer, erfuhr zwischen 1998 und 2003 durch die HHLA-Immobilien einen Umbau zum Kultur- und Gewerbespeicher mit Mietern wie dem "Hamburg Dungeon", dem "Miniatur Wunderland" und der Hauptverwaltung der "Stage Holding" mit seiner "Stage-School".
Der 1893 fertiggestellte Block P wurde im vergangenen Jahr ebenfalls durch die HHLA-Immobilien unter Einhaltung strenger denkmalpflegerischer Auflagen in nur 10 Monaten für eine Büronutzung der neu gegründeten "Hamburg Port Authority" maßgeschneidert. Er ist mit rd. 23.000qm das bislang größte Projekt bei der Umnutzung der Hamburger Speicherstadt.
ausgebucht

 

Donnerstag, 21. Juni 2007, 16.00 Uhr
Ehemalige Hypothekenbank
Juan Hidalgo (SEHW Architekten), Andreas Barke (Cogiton GmbH), Volker Konerding (Denkmalschutzamt Hamburg)

Die 1896/97 vom Berliner Baurat Wilhelm Martens errichtete „Hypothekenbank“ (später „Euro Hypo“) ist ein repräsentativer Neorenaissance-Bau mit reichhaltigem Bauschmuck an der Sandsteinfassade der Vorderseite. In Kriegsund Nachkriegszeiten wurde das Gebäude beschädigt und verändert: Verlust des Kupferdachs, neue Staffelgeschosse, neue Vorbauten und vergitterte Fenster, Umwandlung der großen Kassenhalle in Büros, Schließung des Oberlichts. Für die Cogiton bauten SEHW Architekten 2006 das Haus in ein zeitgemäßes Bürogebäude mit Edelgastronomie und Läden um. Dabei wurde die provisorische Dachstruktur der fünfziger Jahre ergänzt und ersetzt durch eine vorgesetzte Fassade und eine zusätzliche Etage, ausgeführt als Stahl-Glas-Konstruktion mit vorgehängten Faserzementplatten und verspiegelten Gläsern mit silber- und goldfarbener Bedampfung. Die in der riesigen Kassenhalle ansässige Edel-Brasserie „Bank“ ist gestalterisch ganz dem Thema „Mammon“ verschrieben: Eine endlose Messing-Bar im Kreditkartendesign, die einstigen Tresore werden in Szene gesetzt mit einer vorgesetzten „Panzerung“ aus säurebehandelten Stahl und Messing. Die Büroetagen der Cogiton in der zweiten und dritten Etage sind geprägt durch strahlend weiße Böden, Decken und Wände und die geschickt in Szene gesetzte alte Inneneinrichtung mit Holzparkett und –täfelungen, Emporen, lederverkleidete Türen. In den neuen Endetagen für
diverse Büromieter hingegen dominiert gläserne Transparenz.
ausgebucht

 

Donnerstag, 13. September 2007, 16.00 Uhr
Wasserturm Sternschanzenpark / Mövenpick-Hotel
Jürgen Klein (Projektleiter, PATRIZIA Projektentwicklung GmbH), Kathrin Wirth-Ueberschär (Mövenpick Hotel Hamburg)

Im Jahre 1906 wurde ein reichsweiter Wettbewerb für drei neue Wassertürme ausgeschrieben (Sternschanzenpark, Stadtpark, Winterhuder Weg/abgerissen). Beim Turm im Sternschanzenpark wurde der drittplatzierte Entwurf zur Realisierung ausgewählt. Er stammte von Wilhelm Schwarz, einem Planer in Diensten der Wasserwerke. Im Inneren des Backsteinkolosses waren zwei Wasserbehälter übereinander angeordnet. Kritiker hadern bis heute mit der monumentalen Gestaltung: „Das behäbige Bauwerk mit der umlaufenden Galerie und der geschweiften Dachhaube wirkt wie ein überdimensionierter Wachturm“ (Ralf Lange: Architekturführer Hamburg). Durch seine einprägsame Gestalt und hervorgehobenen Lage auf einer Anhöhe entwickelte sich der Turm dennoch zu einem Wahrzeichen am Schnittpunkt von Altona, St. Pauli und Eimsbüttel. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Bombentreffer Teile des Dachs. Nach dem Krieg nahm der Speicher seinen Betrieb wieder auf und diente noch bis 1956 der Wasserversorgung. 1961 erfolgte die endgültige Stillegung. Seitdem verfiel das Bauwerk langsam. Diverse Vorschläge und Versuche zur Sanierung und Umnutzung wurden gemacht, zerschlugen sich aber immer wieder. 1990 schließlich wird der Turm an den Investor Storr verkauft, der später mit der Patrizia Projektentwicklung das Konzept für ein Hotel entwickelt, welches von der Mövenpick Hotel & Resorts betrieben wird. Der Umbau begann im Januar 2005 und wird 2007 abgeschlossen sein. Dabei wurde die Fassade in großen Teilen erneuert und das Innere inklusive der Wasserbehälter entfernt. Anschließend wurden neue Geschosse in das Gebäude eingezogen. Das neue Dach wurde mit Fenstern für Penthouses versehen; die Dachform wurde jedoch der historischen Gestalt des Daches nachempfunden.
ausgebucht

 

Donnerstag, 27. September 2007, 16.00 Uhr
„Haus im Haus“: Gründerzentrum im ehemaligen Börsensaal der Handelskammer Hamburg
Katja Knaus (Behnisch Architekten), Andreas Westermeier (Handelskammer Hamburg), Luis Moreno (Denkmalschutzamt Hamburg)

Die Handelskammer entschied sich dafür, die von der Wertpapierbörse nicht mehr beanspruchte Börsenhalle neu zu nutzen. Die im Wettbewerb siegreichen Architekten von Behnisch & Partner entwickelten einen Baukörper, der als „Haus im Haus“ auf fünf Ebenen und insgesamt 1.000 qm die geforderten Nutzungen beherbergt. Dabei wird die gesamte Höhe der Halle ausgenutzt. Die neue Struktur bietet Raum für ein Existenzgründerzentrum, Besprechungsräume, Präsentationsflächen (u.a. für die älteste Wirtschaftsbibliothek der Welt) und einen Club mit anspruchsvoller Gastronomie. Auf der obersten Ebene kann man durch die historischen Bogenfenster auf die Dachlandschaft der Stadt blicken. Das aus Scheiben und Ebenen bestehende Konstrukt soll leicht und klar wirken und damit einen Kontrast darstellen zur steinernen Schwere des Saals. Die Architekten schreiben: „Der Neubau soll wie ein Filter wirken,
durch den die historische Halle aus unterschiedlichen Positionen in immer neuen Variationen wahrgenommen werden kann.“
ausgebucht

 

Donnerstag, 11. Oktober 2007, 16.00 Uhr
Brahmskontor - ehemaliges DAG-Haus
Björn Papay (KPW Architekten), N.N. (Bauherr), N.N. (Denkmalschutzamt)

Eines der bedeutendsten und größten Hamburger Kontorhäuser ist das ehemalige Gebäude des „Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes“ (später DAG-Haus, Architekten Sckopp und Vortmann), das in mehreren Bauabschnitten zwischen 1904 und 1931 entstand. Die reich ornamentierte Fassade des Ursprungsbaus wurde bei der ersten Erweiterung nach dem Ersten Weltkrieg zugunsten einer schmucklosen und gleichmäßigen Pfeilerreihung aus Wittmunder Klinker ersetzt. Bei der zweiten Erweiterung im Jahr 1928 entstand ein 15-geschossiges Hochhaus, dessen moderne genietete Stahlkonstruktion mit vorgehängter Backstein-Fassade auf Vorbilder aus Chicago oder New York verweist. Im Gegensatz dazu stehen revisionistische Details wie der Wappenschmuck an der Arkadendecke, der an die mit dem Vertrag von Versailles eingebüßten Reichsgebiete erinnern soll. Eingangshalle und Treppenhäuser sind faszinierende Beispiele für das in Hamburg kaum anzutreffende Art Déco. In diesem Jahr schließen Kleffel Papay Warncke Architekten die aufwändige und überaus komplizierte Generalsanierung und Erweiterung des Gebäudekomplexes ab.
ausgebucht