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Im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2009
Weiterbauen V
In Kooperation mit der Hamburgischen Architektenkammer, dem BDA Hamburg und dem Denkmalschutzamt Hamburg

Der überwiegende Teil planerischer Aufgaben liegt heute im Bereich des Bauens im Bestand und die Frage, wie wir mit bestehender Substanz umgehen wollen, stellt sich immer drängender. Die Freie Akademie der Künste, die Hamburgische Architektenkammer, der BDA Hamburg und das Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt Hamburg führen deshalb auch 2009 die Exkursionsreihe „Weiterbauen“ fort und zeigen acht Beispiele für aktuelle Nach-, Umnutzungs- und Rekonstruktionskonzepte.

Nach wie vor sind es vor allem Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Raum bieten für vielfältige neue Nutzungen. So wurde der Block N in der Speicherstadt im Inneren neu gestaltet und beheimatet nun unter anderem eine kleine Markthalle sowie das Restaurant „Vlet“. Nicht weit entfernt wandelte sich eine ehemalige Kautschukfabrik zum Automobilmuseum „Prototyp“. Auf dem Gelände der früheren Kranfabrik Kampnagel entstand in der Halle K3 ein „Zentrum für Choreographie“. Auch die Umnutzung der ehemaligen Pferdeställe der preußischen Husaren-Kaserne in Marienthal zu Wohnungen fällt in diese Kategorie. Der Einbau eines Pastorats in die Hauptkirche St. Petri und die Erweiterung durch ein Gemeindezentrum mit Kita schließlich zeigen, dass auch für bedeutende Baudenkmäler die Zeit nicht stillsteht.

Immer mehr geraten jedoch auch sanierungsbedürftige Bauten und Ensembles der fünfziger bis siebziger Jahre in den Fokus. Die Revitalisierung des Bürohauses Dornbusch 4 zeigt, dass sich Erhalt und Modernisierung durchaus lohnen. Auch der sensible Umbau der ehemaligen Reemtsma-Hauptverwaltung in Othmarschen zu Wohnhäusern ist ein Glücksfall, auch, weil die unprätentiösen, aber eleganten Fassaden fast vollständig erhalten blieben. Für die Einkaufsmeile Große Bergstraße in Altona schließlich, die durch städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen, wachsende Leerstände und viele Billigläden den Ruf einer Problemzone bekam, zeichnet sich mittels eines intelligenten Quartiersmanagements, baulicher Eingriffe und neuer Einzelhandelsansiedlungen eine Zukunftsperspektive ab.

Claas Gefroi

des Programms als pdf

Mittwoch, 3. Juni 2009, 17 Uhr
Markthalle und Restaurant in der Speicherstadt (Block N)
Architekt: Helmut Heyken, HHLA
Bauherr: Regine Holzapfel, HHLA
Denkmalpfleger: Albert Schett

Die Speicherstadt wandelt sich seit Mitte der neunziger Jahre beständig und rasch: Nur wenige der ehemaligen Nutzer, Handelsunternehmen für Kakao, Kaffee, Tee, Gewürze oder auch Teppiche, sind noch in den Backsteinspeichern zu finden. Stattdessen füllen neue Mieter die alten Böden mit Leben: Architekten, Modeunternehmen, Museen… Die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) als städtischer Eigentümer achtet auf einen behutsamen Wandel unter Wahrung der Original-Bausubstanz. Das jüngste Beispiel ist der Umbau des Speichers Block N von Stammann & Zinnow (errichtet 1885-88) durch die eigene Bauabteilung für u.a. das Restaurant Vlet und eine kleine Markthalle für Einzelhandel und Gastronomie.

Mittwoch, 10. Juni 2009, 17 Uhr
Prototyp – Automobil-Museum und Büronutzung im ehemaligen Fabrikgebäude
Bauherr: Thomas König, Lohseplatz 1 GmbH
Architekt: Johann Zurl, Dinse Feest Zurl Architekten
Denkmalpfleger: Luis Moreno-Fernandez (angefragt)

Drei Etagen eines zuletzt als Druckerei genutzten Fabrik- und Speichergebäudes der einstigen „Gummi-Kamm-Compagnie“ wurden für ein Automobilmuseum umgebaut. Zwei Automobil-Enthusiasten zeigen hier ihre bemerkenswerte Sammlung von Versuchswagen und Prototypen vornehmlich der Zwischenkriegszeit mit einem Schwerpunkt auf Porsche-Sportwagen. Mit viel Sichtbeton, weißen Putzflächen und neutralen „white cubes“ als Ausstellungsräume haben Dinse Feest Zurl Architekten es geschafft, die alte Bausubstanz zu respektieren, die Exponate kunstvoll in Szene zu setzen und moderne architektonische Akzente zu setzen.

Mittwoch, 17. Juni 2009, 17 Uhr
Revitalisierung Bürohaus Dornbusch 4
Bauherr: N.N. Quantum Grundbesitz GmbH
Architekt: Caspar Schmitz-Morkramer, MSM Meyer Schmitz-Morkramer (Köln)

Ein Bürohaus des Architekten Alfred Freudemann aus den sechziger Jahren wurde von msm meyer schmitz-morkramer architekten vollständig entkernt und um ein Geschoss aufgestockt. Die Längsseiten wurden fast vollständig in Glas aufgelöst, um viel Tageslicht ins Innere zu lenken. Die schmalen Brüstungen der Rasterfassaden wurden mit einem bruchrauen Gneis verkleidet. Der Bauherr, die Quantum AG, wünschte sich für die Innenräume viel weiße Farbe; lediglich die Eingangshalle, der Sitzungsraum und die Direktionsetage werden von Verkleidungen aus Nussbaumholz geprägt. Um die Aufenthaltsqualität auch für Kunden zu erhöhen, erhielten die Besucherräume eine entspannende Lounge-Atmosphäre. Die dazugehörige Innenausstattung erweist mit Details wie Kugelleuchten, Glastischen und natursteinverkleidetem Kamin der Entstehungszeit des Gebäudes ihre Referenz.

Mittwoch, 24. Juni 2009, 17 Uhr
K3 Zentrum für Choreographie – Tanzplan Hamburg auf Kampnagel
Bauherr: Jörn Sturm, Kampnagel
Nutzer: Kerstin Evert, Tanzplan Hamburg
Architekt: Daniel Spalt, Schöning Spalt Architektur und Gestaltung
Denkmalpfleger: Albert Schett

Im Rahmen einer Kooperation der Kampnagel Kulturfabrik als Bauherr und des Tanzplan Deutschland-Förderprojekts wurde die bisher als Ausstellungsort genutzte Halle K3 für nur 700.000 Euro in ein Choreographiezentrum umgewandelt. Es dient als Trainings- und Probenort, Bühne und Veranstaltungsraum für die Aus- und Weiterbildung im zeitgenössischen Tanz. Die Architekten Schöning und Spalt ordneten zwei Probesäle platzsparend übereinander in einem „Haus im Haus“ aus Beton und Holz an, um die alte Halle möglichst wenig anzutasten. Hinzu kommt ein umlaufendes Band von Nebenräumen mit einem auf- und absteigenden Pultdach.

Mittwoch, 1. Juli 2009, 16.30 Uhr
Zwischennutzung und Zukunftsperspektive Große Bergstraße
Quartiersmanagement: Margit Bonacker, konsalt
Verwaltung: Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose
Vertreter Grundeigentümer: NN

Die Große Bergstraße in Altona ist eine Einkaufsstraße und Fußgängerzone aus den 1960er Jahren, die heute als stark sanierungsbedürftig gilt. Insbesondere die räumliche Trennung vom Altonaer Zentrum, städtebauliche Mängel und die unattraktiven, teilweise leerstehenden Wohn- und Einzelhandelskomplexe „Frappant“ und „Forum“ sind in den Fokus der Stadtplanung geraten. Nach jahrelanger Lethargie kommt derzeit vieles in Bewegung: Zwischennutzer aus der Kultur- und Kreativszene ziehen in verwaiste Ladengeschäfte, Quartiersmanagement fördert die Identifikation von Bewohnern und Geschäftsleuten mit dem Viertel, attraktive Einzelhändler wie Ikea planen Ansiedlungen.

Montag, 13. Juli 2009, 17 Uhr
Umbau Hauptkirche St Petri
Bauherren: Jean Jaques de Chapeaurouge, Norddeutsche Grundvermögen; Hauptpastor Christoph Störmer, Kirchengemeinde St. Petri
Architekt: Hakki Akyol, Akyol Kamps Architekten
Denkmalpfleger: Volker Konerding

Die neugotische Sankt Petri Kirche ist eines der Hauptwerke des Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf. Sie entstand bis 1849 auf dem Grund der alten St. Petri Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die im Großen Brand von 1842 zerstört wurde. In eines der Seitenschiffe der vierschiffigen Hallenkirche wurde nun ein Pastorat eingebaut. Der gläserne, transluzente Baukörper wurde von den Architekten Akyol Kamps entwickelt, die auch den Backstein-Neubau gleich nebenan für das Gemeindezentrum und den Kindergarten der Kirchengemeinde planten.

Mittwoch, 15. Juli 2009, 17 Uhr
Sanierung und Umnutzung ehemalige Reemtsma Hauptverwaltung
Bauherr: Andreas Cramer, Gator
Architekt: Helmut Riemann
Denkmalpfleger: Alexander Krauss

Der Architekt Martin Elsaesser errichtete Anfang der 1930er Jahre für die Familie Reemtsma ein luxuriöses Anwesen im Stile des „Neuen Bauens“. Die Villa mit ihren Fensterbändern, Flachdächern und Keramik-Fassadenplatten wurde 1953/54 von Godber Nissen zu einem Verwaltungsgebäude der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH umgebaut. Nissen ergänzte es durch einen aus drei Gebäuden bestehenden Verwaltungskomplex, der durch seine dezenten und unprätentiösen Fassaden aus Gailschem Klinker, weißem Kalkstein und Teakholzrahmen besticht. Das gesamte, sich harmonisch in den Reemtsma-Park fügende Ensemble wurde nun vom Architekten Helmut Riemann behutsam saniert, zu hochwertigen Wohnhäusern umgewandelt und durch Neubauten ergänzt.

Mittwoch, 22. Juli 2009, 17 Uhr
Husarenhof Marienthal
Bauherr: Peter Niermann, Garbe Development
Architektin: Karin Renner, Renner Hainke Wirth Architekten
Denkmalpfleger: Alexander Krauss

Im Stadtteil Marienthal war von 1887 bis 1919 ein preußisches Husarenregiment kaserniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die alten Gebäude von der Polizei genutzt. Das gesamte Gelände wurde nun für eine Wohnnutzung weiterentwickelt. 290 Wohneinheiten entstanden in Reihenhäusern, aber auch in der denkmalgeschützten Reithalle von 1913/14 sowie in den historischen Pferdeställen von 1885. Die Gebäude gruppieren sich um eine zentrale, mit Wasserflächen versehene Grünanlage. Hinzu kommen einige Gewerbeeinheiten und Ladengeschäfte an der Rennbahnstraße. Architekten: Renner Hainke Wirth Architekten (Hamburg), Bechtloff-Derfler-Steffen (Hamburg), Moritz May (London)

Anmeldung für alle Veranstaltungen bis jeweils spätestens 7 Tage vor der Veranstaltung per Fax an 040-326929 oder per eMail an .
Begrenzte Teilnehmerzahl nach Reihenfolge der Anmeldungen. Informationen zum jeweiligen Treffpunkt erhalten Sie bei Anmeldung.
Unkostenbeitrag: je € 3,- / erm. € 2,-