JOSEPH WEIZENBAUM
Zwischen Penisneid und Uterusneid
Auf dem Weg zur Endlösung der Menschenfrage

 
 
 

Mit Joseph Weizenbaum äußert sich einer der Wegbereiter der elektronischen Revolution zur Zukunft von Computertechnik und Neurowissenschaften.
Die entscheidende Aufgabe des nächsten Jahrhunderts, so Weizenbaum, sei die Entwicklung eines neuen Menschenbildes. Der Fortschritt in der Computertechnik und der Biologie mit der gleichzeitigen "Naivität und Unfähigkeit der führenden Wissenschaftler dieser Gebiete, kritisch zu denken und so ihren eigenen Hybris zu besiegen", zwinge zu einer radikal neuen Bewertung des Menschseins.
Die aktuelle Diskussion um ethische Grenzen im Bereich der Gentechnologie findet ihr Pendant in der Mikroelektronik: die Verknüpfung von KI (künstlicher Intelligenz) mit der Entwicklung elektronischer Implantate zu Bauteilen einer neuen Menschengeneration. Die elektronische "Erweiterung" des Menschen ist -was ihre technische Realisierbarkeit anbelangt- alles andere als Science Fiction. Während Peter Sloterdijks ebenso provokante wie vage Thesen wo nicht auf Entsetzen, so doch auf eine starke Beunruhigung stoßen, bleiben die mindestens ebensoweit gediehenen Potentiale der "mechanisch-elektronischen" Veränderung des Menschen mit all ihren Konsequenzen praktisch unreflektiert.Der angekündigte Weg in den betreffenden Wissenschaftsbereichen deutet nach Weizenbaum auf Menschen ohne Menschheit, Realität ohne Referenz. Wo sind die Gegenkräfte? Welche Rolle spielen die "Dichter und Denker"? Oder hat uns die jüngste deutsche Geschichte diese Frage schon klar und laut beantwortet? - Schwerwiegende, offene Fragen, mit denen sich Weizenbaums Vortrag auseinandersetzen wird.

 

Joseph Weizenbaum wurde 1923 als Sohn eines Kürschnermeisters in Berlin geboren.
Mit seinen Eltern emigrierte er 1936 in die USA. Weizenbaum studierte Mathematik und arbeitete von 1963 bis 1988 als Informatik-Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Der Wissenschaftler war maßgeblich an der Entwicklung  und Herstellung des ersten Computerbank- systems beteiligt. 1977 erschien sein Buch "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft". Aus einem Computer-Fan wurde immer mehr ein unerbittlicher Mahner vor einer ,Diktatur der Technik'. Professor Weizenbaum lebt seit einigen Jahren wieder in Berlin.