© Tobias Schult

Dienstag, 13. Oktober 2020, 19:30 Uhr
70 Jahre Akademie - Die Akademie in die Stadt!
Kooperation mit der Elbphilharmonie Hamburg
70 Jahre Freie Akademie der Künste - Erinnerungen an die Zukunft
Besetzung: Ensemble Resonanz | Caroline Melzer Sopran | Sabine Meyer Klarinette | Axel Bauni Klavier | Johannes Fischer Schlagzeug und Leitung | Burghart Klaußner Sprecher.
Programm: György Ligeti: Ramifications | Unsuk Chin: Piano Etude Nr. 6 »Grains« / aus: 12 Piano Etudes | Karlheinz Stockhausen: Zyklus für einen Schlagzeuger | Helmut Lachenmann: Streichquartett Nr. 2 »Reigen seliger Geister« | Olivier Messiaen: Abîme des oiseaux / aus: Quatuor pour la fin du temps | Hans Erich Nossack: Der Untergang (Lesung in Auszügen) | Wolfgang Rihm Drei Gedichte von Hans Erich Nossack (Uraufführung) | Ilse Fromm-Michaels: Musica Larga für Klarinette und Streichquartett
Veranstaltungsort: Elbphilharmonie, Kleiner Saal
Karten zu € 25,- nur über die Elbphilharmonie

Seit 70 Jahren versteht sich die Freie Akademie der Künste Hamburg als bunte Schar von Querdenkern, die das geistige Leben der Stadt prägend mitgestaltet. Gegründet 1950, stand zunächst die Aufarbeitung der auch kulturell gleichgeschalteten Nazi-Zeit im Vordergrund. Paul Hindemith, Thomas Mann und Emil Nolde zählten zu den (Ehren-)Mitgliedern. Doch der Blick der zwischen Hauptbahnhof und Deichtorhallen ansässigen Institution richtete sich bald nach vorne. Heute bietet sie einen Querschnitt künstlerischen Denkens und Arbeitens in unserer Zeit. Das beweist auch das Jubiläumskonzert, das aufseiten der Komponisten ausschließlich und bei den Interpreten überwiegend Mitglieder versammelt.

Bereits 1951 kam mit der Pianistin und Komponistin Ilse Fromm-Michaels eine Frau in die Männerrunde, die als Schülerin von Hans Pfitzner eine erfahrene Interpretin moderner Musik war und an der wieder eröffneten Musikhochschule unterrichtete. Ihre vom Krieg geprägte »Musica larga« stellt Starklarinettistin Sabine Meyer vor, ihrerseits seit 1997 Akademie-Mitglied. Die koreanische Komponistin Unsuk Chin setzt diese weibliche Tradition fort. Ferner erklingen Werke von Stockhausen, Ligeti, Messiaen und Lachenmann, die mit ihren unterschiedlichen Ansätzen für die Meinungspluralität der Institution stehen.

Ein Höhepunkt des Abends wird die Uraufführung von Wolfgang Rihms »Drei Gedichte von Hans Erich Nossack«. Rihm steuerte schon zur Eröffnung der Elbphilharmonie ein großes Werk bei und widmet sich nun dem bedeutenden Hamburger Schriftsteller, Gründungsmitglied der Akademie und bis zu seinem Tod 1977 eine feste Größe der deutschen Literaturszene. Zudem liest Schauspieler und Theaterregisseur Burghart Klaußner (aktueller Vorsitzender der Sparte »Darstellende Kunst«) Auszüge aus Nossacks »Der Untergang«, einem erschütternden Zeugnis der Bombenangriffe auf Hamburg im Zuge der »Operation Gomorrha«.