Kunst als Sinnstiftung ? - Auf dem Weg in die Unsinnsgesellschaft ? - Geht der Sinn stiften ?
Eine Reihe mit Vorträgen.
 
Vortrag
JOCHEN HÖRISCH
"Konsens oder Nonsens"
Eintritt: DM 12,-- / erm. 7,--

Donnerstag, 22. März 2001, 19.30 Uhr


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ob Wahlveranstaltung oder Gottesdienst, glaubt denn keiner mehr, ohne Spaß, Spektakel, ohne "Event" ankommen zu können?
Selbst Fußballspiele, Boxkämpfe, Olympiaden müssen von gigantischen Shows und Sexy-Girlies umrahmt werden. Statt sich um ihre Werke zu sorgen, gieren viele Künstler nach medienwirksamen Sensationen. Skandal führt sicherer zum Erfolg als Substanz.
Auch die Theater steigen zunehmend auf Entertainment um. Ob Dante, Shakespeare oder Goethe, sie müssen (von PR-süchtigen Regisseuren) zum spektakulären Gaudium umfunktioniert werden. Wer die Frage nach Werktreue, Sinn und Substanz stellt, wird als Reaktionär verdächtigt.
Einen Jux wollen wir uns machen! Wo und wie immer und ohne Rücksicht auf Verluste. Ist uns denn der Ernst -der wahres Vergnügen erst ermöglicht- so völlig abhanden gekommen?
Befinden wir uns mit wachsender Geschwindigkeit auf dem Weg in die Unsinnsgesellschaft?
Diesen Fragen soll in einer Reihe von Vorträgen nachgegangen werden. Bis heute stehen dafür fest: Norbert Bolz, Düsseldorf, Hartmut Böhme, Berlin, Günter Kunert, Jan Philipp Reemtsma (14. Mai), Frank Schirrmacher, Frankfurt (18. Juni).
Den Auftakt aber bestreitet der Mannheimer Germanist und Medienanalytiker Jochen Hörisch. Der Titel seines Vortrags "Konsens oder Nonsens" ist nicht bloß Wortspiel, sondern Ergebnis eines kritischen Blicks auf die jüngsten Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft. Entwicklungen, deren Folge nach Hörisch ein "Kult des Nonsens" in der Unterhaltung ist und als dessen Protagonisten er u.a. Grimme-Preisträger Harald Schmidt oder die deutschen Vertreter der letzten Schlager-Grand-Prixs nennt. Aber auch die (Geistes-) Wissenschaften fröhnen ihrem, einem "Kult des Konsenses", für dessen Allmacht Hörisch u.a. Habermas oder die Frankfurter Schule als symptomatisch ausmacht.
Welche Schlussfolgerungen Hörisch aus seinen Beobachtungen zieht, wird er uns und Ihnen am kommenden Dienstag auseinandersetzen.

 


Jochen Hörisch, 1951 in Bad Oldesloe geboren. 1970-76 Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte in Düsseldorf, Paris und Heidelberg. Nach der Habilitation 1982 Privatdozent und Professor an der Universität Düsseldorf. Seit 1988 Ordinarius für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim. Gastprofessuren in Klagenfurt, Paris, Charlottesville (Virginia/USA). Vortragsreisen u.a. durch USA, Japan, Marokko. Jochen Hörisch ist Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste in Salzburg. Veröffentlichungen u.a.: "Die fröhliche Wissenschaft der Poesie" (`76), "Gott, Geld und Glück" (über Bildungsromane `83), "Das Tier, das es nicht gibt" (über Einhörner), "Die Wut des Verstehens - Zur Kritik der Hermeneutik" (`88), "Die andere Goethezeit" (`92), "Brot und Wein - Die Poesie des Abendmahls" (`92), "Kopf oder Zahl - Die Poesie des Geldes" (`96). Rundfunk und Fernsehsendungen zu kultur- und medienanalytischen Themen.
 
 

weitere Vorträge in der Reihe:

Jan Philipp Reemtsma, Hamburg:
"Was wird aus Hansens Garten? - Gedanken über den fortschreitenden Verlust an Symbolisierungsfähigkeit"
am 14. Mai 2001


Frank Schirrmacher, Frankfurt
Die Lesbarkeit des Menschen.
Die Bioethik und die Informationsindustrie. Der Beginn der 3. industriellen Revolution.
am 18. Juni 2001


Günter Kunert
"Eine Flaschenpost"
am 17. September 2001


Norbert Bolz, Düsseldorf


Hartmut Böhme, Berlin
 

Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr.
Der Eintritt beträgt DM 12,-- / erm. 7,--