Montag, 25. März 2013, 19 Uhr
Aus den Stuben über Sterne. - Jean Paul zum 250.
Brigitte Kronauer und Wolfgang Hegewald disputieren
Jens Harzer liest ausgewählte Prosapassagen
Eintritt: 10,- / erm. 7,-

Am 21. März 1763, vor 250. Jahren wurde im oberfrankischen Wunsiedel Jean Pauls geboren. Und solch ein Jubiläum wäre allemal als eine Gelegenheit zu begreifen und zu nutzen, den in ein Pantheon aus Pauschalgips Evakuierten, hinter dornigen Gerüchten angeblicher Unlesbarkeit und skurriler Verstiegenheit Verschwundenen lesend und staunend für sich zu entdecken: als Zeitgenossen, dessen Prosa jener biederen Rechtschaffenheit eines auf Authentizität abonnierten Realismus durch die Aus- und Abschweifungen ihrer Sprachlabyrinthe, durch die realitätsgesättigten und dabei den Himmel nie außer Acht lassenden Bildkaskaden wunderbar Paroli bietet.
Die Freie Akademie der Künste greift die Gelegenheit beim Schopfe und versammelt gleich drei bekennende Jean-Paul-Liebhaber (und -experten), um uns dabei behilflich zu sein.
Hier vorab eine Messerspitze voll dieser Erzählkunst, zum Naschen; sie handelt von dem Selbstbewußtsein und der Selbstvermarktungsscham des Schriftstellers, und von ihrer ironischen Verquickung: "O Gott, Stadtrat! was wäre noch zu sagen, würd' es nicht gedruckt! Ein Autor gibt lauter Nüsse aufzubeißen, welche dem Gehirne gleichen, das nach Le Camus ihnen gleicht, und die also drei Häute haben; wer aber schälet sie ab?- Ein bekannter Autor ist allerdings bescheiden; das ist aber eben sein Unglück, daß niemand weiß, wie bescheiden man ist, da man von sich nicht sprechen und es sagen kann. Er könnte seinem Stiefelknecht hundert Livreefarben anstreichen, er könnte den Eisen-Fang seines Windofens zu seinem brennenden Namens-Zug verschweifen und ringeln lassen, aber niemand weiß es, daß ers nicht tut. Erwägt man vollends, wie viele Schlachten Bonaparte, sowohl in als außer Europa, ausstand und lieferte, bloß damit nur einmal sein Name richtig geschrieben würde, ohne das U,..." (Jean Paul, Flegeljahre / Eine Biographie)









Jean Paul Friedrich Richter, Gemaelde von Heinrich Pfenninger, 1798, Gleimhaus Halberstadt
Jean Paul Friedrich Richter,
Gemälde von Heinrich Pfenninger, 1798
Copyright: Gleimhaus Halberstadt