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  Wolfgang Hegewald – Senf zum Dessert
Buchpräsentation und Gespräch mit Andreas Platthaus

Wolfgang Hegewald

Senf zum Dessert – Fast ein Heimatroman

Kurze scharfkantige Stücke, Prosakobolde, die das Sarkastische und Skurrile nicht scheuen, im Wortlaut auskristallisiert, und literarische Notationssysteme des Alltags haben in letzter Zeit Wolfgang Hegewalds Prosaschreiben geprägt und regiert.
Eine literarische Fee – vermutlich mittleres Management im Literaturbetrieb – dringt unversehens und unbefugt in die Wohnung eines Schriftstellers namens Wolfgang Hegewald ein und will ihn zwingen, eine Suggestivfrage zu beantworten: Ob er in Zukunft lesen oder schreiben möchte. Nur eins sei möglich. In seiner Not schlägt der Schriftsteller die Fee bewusstlos und bringt sie vor seinem Schreibtisch in eine stabile Seitenlage. Nun muss er zwar nicht antworten, aber die Fee erholt sich rasch – und bleibt.  Diese Figurenkonstellation mit ihren Wendungen und Überraschungen, ihrer  Situationskomik, ihren  Verwandlungen und unberechenbaren Erfahrungen sorgt für ein dramaturgisches Gefüge, das eine Reihe von kurzen Texten verbindet.

Das komponierte Prosakonvolut besteht aus siebzig Mikrokapiteln, die in der Tradition von Capriccios mit Formen des Komischen und Grotesken und dem Interesse an Aufklärung und ihren  Abgründen spielen. Dieses Spiel verbindet sich mit Wahrnehmungspartikeln des Alltags, ob in Barmbek-Süd oder rund um ein Hausboot namens BARTLEBY im Stadthafen von Schleswig. Wahrnehmung steht in dieser Prosa für Weltseitenblicke und Weltneugier, nicht für Ich-Introspektion. Durch die Kapitel  hindurch fungiert das Phantastische, nach einem Diktum von Julio Cortázar, als Methode zur Überprüfung des Wirklichen. Spaziergänge, poetologische Reflexionen, Träume,
Erinnerungsfetzen, polemische Interjektionen zur Zeitgenossenschaft, Sprachspiele – das Repertoire ist groß. Kein Plot, nirgends. Das Modell dieser Prosa scheint ein Mobile zu sein: ein fein austarierter Schwebezustand der Teile und Teilchen. Der im Untertitel anklingende Heimatbegriff ist elliptisch beschaffen, mit den Polen Schreiben und Wohnen.

Sein neues Buch stellt Wolfgang Hegewald im Gespräch mit Andreas Platthaus, Literaturchef der FAZ, vor. Ein Gespräch in dem es nicht nur um dieses jüngste Buch, sondern Hegewalds literarische Arbeit insgesamt gehen dürfte – kennen sich die Gesprächspartner doch schon seit den frühen 1990er Jahren, als Platthaus u.a. Rhetorik an der Universität Tübingen studierte, deren ‚Studio für Literatur und Theater‘ Hegewald zur selben Zeit leitete.

© Abb.: privat | PalmArtPress